Kampf um den Kongress US-Wirtschaft läuft zu den Demokraten über

Zehn Tage vor den Kongresswahlen setzt die US-Wirtschaft auf einen Sieg der Demokraten: Angesichts verheerender Umfragewerte für die Republikaner haben führende Konzerne ihre Spenden für Bushs Partei gekürzt. Die Demokraten können sich dagegen über Last-Minute-Millionen freuen.


Hamburg – Die Nachricht dürfte US-Präsident Bush nicht erfreuen: Eine sichere Geldquelle für den Wahlkampf der Republikaner sprudelt nicht mehr ganz so stark – die Demokraten erhalten dafür um so mehr Geld von der Industrie, berichtet die "New York Times" heute. Den Republikanern droht bei den Wahlen zum Senat und Repräsentantenhaus am 7. November Umfragen zufolge eine herbe Niederlage, und schon überdenken Konzerne und Wirtschafts- und Industrieverbände ihre Beziehung zum politischen Establishment. Lobbyisten, heißt es in dem Bericht, seien bereits intensiv dabei, viel versprechende politische Neulinge aus den Reihen der Demokraten für sich zu gewinnen. Veranstaltungen der Demokraten würden von Vertretern der Wirtschaft gut besucht werden, zitiert das Blatt einen Mitarbeiter der Partei.

Blick aus dem Kapitol in Washington: Plötzlicher Spendenumschwung zugunsten der Demokraten
AFP

Blick aus dem Kapitol in Washington: Plötzlicher Spendenumschwung zugunsten der Demokraten

Als Beispiel für den Wandel berichtet die "New York Times" über das Spendenverhalten des Pharmakonzerns Pfizer Chart zeigen. Dieser habe von Januar bis September 67 Prozent seiner Spenden an Politiker der Republikaner gemacht. Im Oktober habe die Strategieabteilung des Unternehmens aber entschieden, mehr als die Hälfte der Spendenausgaben nun den Demokraten zukommen zu lassen – diese erhalten künftig 59 Prozent der Pfizer-Spenden.

Zwar überweist die Mehrheit der US-Konzerne nach wie vor mehr Geld an die Republikaner, aber nach Ansicht von Beobachtern würden die Unternehmen zunehmend ihr Spendenverhalten ändern. Derzeit würden Republikaner 57 Prozent aller Spenden der US-Wirtschaft erhalten, die Demokraten 43 Prozent. Einer Studie der "New York Times" zufolge seien die Ausgaben für republikanische Kandidaten aber vom 1. bis zum 18. Oktober um elf Prozent zugunsten der Demokraten gesunken – ein Umschwung, wie es ihn seit 1994 nicht mehr gab. "Wir kämpfen bis zu letzte Minute des letzten Tages", beschreibt William C. Miller, in der US-Handelskammer zuständig für politische Angelegenheiten, das Vorgehen der Wirtschaft. Schließlich wolle man sich alle Chancen, wer auch immer Bush im Amt folgt, offen halten.

Selbst der Rüstungskonzern Lockheed Martin Chart zeigen, der 70 Prozent seiner Spenden den Republikanern zukommen lässt, reduzierte in den ersten Oktobertagen seine Ausgaben für die Republikaner zugunsten der Demokraten; diese erhielten 60 Prozent der Spenden des Unternehmens – insgesamt 127.000 Dollar.

Aber nicht nur im Werben um Spenden erreicht der Wahlkampf in den USA eine neue Härte – die Kandidaten beider Parteien setzen inzwischen auch im Werben um Wahlstimmen auf schmutzige Tricks. So sehen sich Politiker plötzlich öffentlich als Kunden von Prostituierten und Sex-Hotlines dargestellt oder als Freunde von Schwerverbrechern. Die "Washington Post" sieht das Niveau des Wahlkampfes ins Bodenlose sinken. Verzweifelte Kandidaten würden alles versuchen, um Konkurrenten zu beschädigen.

kaz



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