Kampfflugzeug-Boom Rüstungsgeschäft rettet Boeing

Der Flugzeugbauer Boeing hat im Schlussquartal 2004 einen starken Gewinneinbruch erlitten. Im Gesamtjahr allerdings konnten die Amerikaner ihre Umsätze und Gewinne steigern – dem Rüstungsgeschäft sei Dank.


F/A-18 Hornet von Boeing: profitables Flugzeug
AP

F/A-18 Hornet von Boeing: profitables Flugzeug

Chicago - Der Boeing-Umsatz stagnierte im Schlussquartal bei 13,3 Milliarden Dollar. Beim Gewinn verbuchte der Konzern in den drei Monaten einen rapiden Rückgang. So lag das Plus nur noch bei 186 Millionen Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es noch 1,1 Milliarden Dollar.

Boeing begründete den Gewinnabsturz damit, dass Sonderkosten in Höhe von 44 Cent je Aktie das Quartalsergebnis belasteten. Ausschlaggebend war die angekündigte Streichung der Produktion der 717, des kleinsten Boeing-Verkehrsflugzeuges.

Hinzu kamen die belastenden Verzögerungen beim Tankerflugzeug-Programm der US-Luftwaffe. Das 23-Milliarden-Dollar-Projekt für 100 Lufttanker wird neu ausgeschrieben. Grund: Eine US-Beschaffungsbeamtin hatte ein Stellengespräch bei Boeing, während sie mit der Firma über Großaufträge verhandelt hatte. Nun werden die Karten neu gemischt: Der europäische Erzrivale EADS will sich ebenfalls um den lukrativen Auftrag bewerben.

Kampfflugzeuge sorgen für sattes Umsatzplus

Besser als im vierten Quartal schnitt Boeing im Gesamtjahr ab. Den Umsatz steigerte der US-Konzern von 50,3 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 52,5 Milliarden Dollar. Der Jahresgewinn legte von 0,72 Milliarden Dollar auf 1,9 Milliarden Dollar zu.

Das lag vor allem an der Rüstungssparte: 30,5 Milliarden Dollar Umsatz bedeuten ein Plus von elf Prozent. Hier profitierte Boeing vor allem von den F/A-22- und F/A-18-Kampfflugzeug-Programmen. Der operative Gewinn der Rüstungssparte legte massiv um 119 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar zu. Außerdem liegen schon Neuaufträge im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar vor.

Fast 100 Verkehrsflugzeuge weniger als Airbus

Im zivilen Flugzeugbau lief es schlechter. Boeing ist im vergangenen Jahr mit Gesamtaufträgen für 272 Verkehrsflugzeuge weiter hinter Airbus mit 370 Maschinen zurückgefallen. 2005 will Boeing insgesamt 320 Maschinen ausliefern, für 2006 sind mindestens 375 Flugzeuge geplant. Große Hoffnungen liegen auf dem neuen Großraumflugzeug Boeing 787, das bis zu 300 Passagiere transportieren kann. Darauf kontert Airbus mit seinem neuen geplanten A350.

Boeing setzte 2004 mit seiner Verkehrsflugzeugsparte nur noch 21 Milliarden Dollar um - ein Minus von sechs Prozent. Der operative Gewinn der Sparte schrumpfte im Gesamtjahr um 28 Prozent auf 753 Millionen Dollar. Im Schlussquartal fiel sogar ein operativer Verlust von 149 Millionen Dollar an gegenüber einem Gewinn von 471 Millionen Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit.

Für das laufende Jahr erwartet Boeing für den gesamten Konzern einen Umsatz von 58 Milliarden Dollar. Die Lage im Verkehrsflugzeugmarkt stelle weitere Herausforderungen, hieß es. Doch für 2006 sei mit steigenden Auslieferungen zu rechnen und 2007 mit weiteren Verbesserungen. Der Umsatz dürfte 2006 wegen der höheren Flugzeugauslieferungen und des starken Rüstungsgeschäfts auf 62 Milliarden Dollar bis 63 Milliarden Dollar steigen.



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