Kanzler-Coolness Rohöl teuer wie nie - aber Schröder entwarnt

Im New Yorker Handel ist der Preis für Rohöl auf ein neues Allzeithoch geklettert. Bundeskanzler Schröder bemüht sich, Sorgen auszuräumen: Die Rekordfahrt der Preise habe sich nicht negativ auf die Wirtschaft ausgewirkt - bisher.


Öl-Raffinerie: Konjunkturbedingter Nachfrageschub treibt die Preise hoch
REUTERS

Öl-Raffinerie: Konjunkturbedingter Nachfrageschub treibt die Preise hoch

New York/Berlin - Der Preis pro Barrel (159 Liter) hat an der Warenterminbörse Nymex erstmals die Marke von 47 Dollar überschritten. Er kletterte bis auf 47,01 Dollar und übertraf damit das erst am Vorabend aufgestellte Rekordhoch von 46,96 Dollar.

Händler verwiesen darauf, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) in den Jahren 2004 und 2005 nun eine höhere Rohölnachfrage erwartet als bisher prognostiziert. Ein Grund dafür sei die ungebrochene Stärke der Weltwirtschaft, heißt es im Opec-Monatsbericht für den August.

Der Kanzler sagte bei seinem Auftritt vor Journalisten, der hohe Ölpreis habe sich noch nicht negativ auf die "robuste Weltwirtschaft" ausgewirkt. Man solle die Entwicklung nicht dramatisieren.

Allerdings bleibe ein "Risiko für die weltwirtschaftliche Entwicklung und damit auch für die europäische und deutsche", sagte Schröder. Zugleich betonte Schröder, man müsse sich weiter von der Abhängigkeit von Öl lösen. Dies sei eine Legitimation für die Energiepolitik der rot-grünen Koalition.

Irak: Schiiten drohen mit Anschlag auf Pipeline

Für Unruhe an den Rohölmärkten sorgte die Entwicklung im Irak: Eine Gruppe mit angeblichen Verbindungen zu dem radikalen Schiiten-Anführer Muktada al-Sadr hat mit Angriffen auf eine zentrale Ölpipeline im Süden des Landes gedroht, sollten die US-Truppen nicht am Mittwoch aus Nadschaf abziehen.

Schröder bei Pressekonferenz: Den Ölpreis als Argument für die eigene Energiepolitik benutzt
REUTERS

Schröder bei Pressekonferenz: Den Ölpreis als Argument für die eigene Energiepolitik benutzt

"Wir haben in Amara eine Ölquelle in Brand gesetzt. Das ist eine schlichte Warnung an die Regierung und die Besatzungskräfte. Wir werden die Hauptexport-Pipeline im Süden angreifen, wenn sie Nadschaf nicht innerhalb von 48 Stunden verlassen und die Belagerung beenden", heißt es in der Erklärung der Gruppe, die das Datum vom Montag trägt. Die Gruppe nennt sich "Geheime Einsatztruppe der Armee des Imam Mahdi" und hat nach eigenen Angaben Verbindungen zu al-Sadr, der sich mit Kämpfern seiner Miliz in Nadschaf, 160 Kilometer südlich von Bagdad, verschanzt hat.

Als Reaktion auf die US-Offensive in Nadschaf haben Anhänger al-Sadrs wiederholt mit Anschlägen auf die Ölindustrie im Süden des Landes gedroht. Die Hauptpipeline im Süden ist wegen Sabotageakten bereits seit dem 9. August fast durchgängig geschlossen. Auch am Mittwoch konnte ein Vertreter der South Oil Company nicht sagen, wann sie wieder in Betrieb genommen werden kann. Durch die Unterbrechung der Hauptpipeline ist der Erdölexport des Landes auf die Hälfte der derzeit möglichen Menge reduziert.



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