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Erdgas Kanzlerberater ­empfiehlt Fracking

Der neue Leiter des Zukunftsrates, Reinhard Ploss, empfiehlt Bundeskanzler Olaf Scholz, in der Energiekrise kurzfristig auch die Nutzung heimischer Gasvorkommnisse durch Fracking zu prüfen.
aus DER SPIEGEL 42/2022
Reinhard Ploss

Reinhard Ploss

Foto: PR

Deutschland habe »mit seinem Energiebedarf keine realistischen Chancen auf echte Autonomie«, sagte der frühere Chef des Chipkonzerns Infineon. Kernenergie sei eine denkbare Option, die aber das Problem nur teils löse und kaum konsensfähig sei, wie die Debatte um den Streckbetrieb zeige. Deutschland solle versuchen, möglichst viel Energie auf EU-Ebene zu beziehen, auch wenn das mehr koste. »Ich bin auch dafür, die Ausbeutung der eigenen ja vorhandenen Gas-Ressourcen – auch durch Fracking – zumindest ernsthaft in Erwägung zu ziehen.« Sonst werde Deutschland aus der Bittstellerrolle nicht herauskommen und nicht zu einer souveränen Strategie finden. Der Zukunftsrat soll den Kanzler beraten, wie Deutschland wirtschaftlich unabhängiger werden kann. Mit seinen Aussagen stellt sich Ploss nun gegen die Bundesregierung, die das Frackingverfahren zur Gewinnung von Schiefergas bislang ablehnt. Langfristig setzt Ploss vor allem auf Wasserstoff, um von fossilen Energieträgern loszukommen. »Grüner Wasserstoff wird eine tragende Rolle für klimaneutrale Energie- und Rohstoffversorgung der Zukunft spielen, aber kurzfristig wird er unsere Probleme nicht lösen.« Ploss, der auch die Wissenschaftsakademie Acatech leitet, plädiert dafür, während einer Übergangsphase auch blauen, aus Erdgas erzeugten Wasserstoff zuzulassen, »um möglichst schnell in den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft einzusteigen«.

mhs, mro
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