Kanzlerschelte Schröder kritisiert Jobabbau bei Mercedes

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die geplanten Sparpläne beim Autobauer Mercedes attackiert. Auch die Gewerkschaft IG Metall will die Jobkürzungen nicht kampflos hinnehmen.


Stuttgart/Sindelfingen - Schröder sagte der "Sächsischen Zeitung", er sei dafür, mit der Wirtschaft über die Verteilung und die Übernahme von Verantwortung in unserem Land zu reden. "Es kann doch nicht so sein, dass deutsche Dax-Unternehmen glänzend verdienen, aber die Probleme, die sich aus der verschärften internationalen Konkurrenz ergeben, ausschließlich der Politik vor die Türe gelegt werden", zitiert das Blatt den Kanzler.

Kanzler Schröder: "Probleme der Politik vor die Tür gelegt"
AP

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Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, sagte, die Gewerkschaft akzeptiere die angepeilte Einsparung von 8500 Stellen nicht per se. Mit dem Betriebsrat werde man sich dafür einsetzen, dass diese Zahl nicht Realität werde.

Huber kritisierte, dass der Stellenabbau von Unternehmensseite nicht hinreichend begründet worden sei. "Die Zahl 8500, die im Raume steht, ist bis dato nicht unterfüttert mit klaren Maßnahmen, mit konkreten Problemaufrissen, mit konkreten Zukunftslösungen und insofern erlauben wir uns doch, diese Zahl in Frage zu stellen."

Weiter regte Huber an, zu untersuchen, warum von verschiedenen Fahrzeugmodellen nicht die geplanten und erwarteten Stückzahlen produziert werden könnten. Dies sei "möglicherweise auch eine Frage von Qualität, eine Frage ob Daimler in verschiedenen Modellreihen, E-Klasse und C-Klasse, den Käufer, sprich den Kunden anspricht, ob hier die Potenziale in der Zusammenarbeit mit den Zulieferern ausgeschöpft worden sind".

Mit dem geplanten Abbau von Stellen will DaimlerChrysler Chart zeigen nach eigenen Angaben pro Jahr 500 Millionen Euro sparen. Zusammen mit jährlichen Einsparungen von 500 Millionen Euro durch den Beschäftigungspakt vom vergangenen Jahr wären dies Einsparungen von jährlich einer Milliarde Euro. Dem stehen Belastungen von 950 Millionen Euro für den sozialverträglichen Personalabbau entgegen.

Mercedes-Endmontage in Sindelfingen: "Die Zahl in Frage stellen
DPA

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Laut Betriebsrat sollen in Sindelfingen insgesamt 3600 Stellen wegfallen - 3100 Jobs in der Produktion und 500 Arbeitsplätze im Entwicklungsbereich und in der Planung. In Bremen ist von 2700 Arbeitsplätzen, im Werk Stuttgart-Untertürkheim von 1100 Mitarbeitern die Rede, die ihren Job verlieren sollen. Im Höchstfall könne ein Mitarbeiter 275.000 Euro an Abfindung bekommen, hieß es.



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