Kapitalhunger Air Berlin will die Hälfte der Anteile verkaufen

Die Billigfluglinie Air Berlin will bei ihrem für Mai angepeilten Börsengang überraschend viele Aktien zum Verkauf anbieten: Rund 50 Prozent der Wertpapiere würden platziert, erklärte Airline-Chef Joachim Hunold in einem Interview. Auch eine Kapitalerhöhung sei geplant.


München - "Ich war nie ein Hasardeur. Wir sind immer so viel gewachsen, wie das Unternehmen auch verträgt", erklärte Hunold der "Süddeutschen Zeitung". Bislang habe sich Air Berlin intern finanziert, jetzt brauche das Unternehmen mehr Kapital, um seinen Markennamen konsequent zu nutzen. Insgesamt sollen deshalb überraschend viele Aktien beim für Mai geplanten Börsenstart aufs Parkett gebracht werden. "Ungefähr 50 Prozent der Anteile werden umplatziert. Dazu kommt eine Kapitalerhöhung, die höher sein wird als die Umplatzierung", erklärte Hunold. So will Hunold weiteres Wachstum finanzieren. Außerdem sollen Schulden abgebaut werden.

Air-Berlin-Chef Hunold: "Ich war nie ein Hasardeur"
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Air-Berlin-Chef Hunold: "Ich war nie ein Hasardeur"

Aus den Plänen würde sich ein Streubesitz von etwa 75 Prozent errechnen. Mit einem Volumen von 700 bis 900 Millionen Euro wäre dies nach Wacker-Chemie der zweitgrößte Börsengang des Jahres. Derzeit gehört Deutschlands zweitgrößte Airline sieben Investoren, darunter auch Hunold selbst. Und das soll vorerst auch so bleiben, erklärte der Unternehmenschef. "Ich gebe nichts ab. Meine Haltefrist liegt sogar bei 18 Monaten."

"Keine Hauruck-Aktion"

Der Zeitpunkt für einen Börsengang sei derzeit sehr günstig, sagte Hunold. Er habe schon seit 1998 mit der Aufnahme des Mallorca-Pendelverkehrs den Gang an den Aktienmarkt ins Auge gefasst. "Von 2003 an haben wir dann die Städteverbindungen aufgebaut. Jetzt haben wir eine Größenordnung, mit der wir interessant für die Börse sind", sagte er. Der Start in das Geschäftsjahr 2006 stimme ihn für die Zukunft zuversichtlich, erklärte Hunold weiter: "Wir sind mit den Buchungszahlen sehr zufrieden."

Nach Angaben Hunolds setzt Air Berlin auch auf Privatanleger. Offenbar sollen Vielflieger bei der Zuteilung in Kooperation mit der Commerzbank-Tochter Comdirect bevorzugt werden. Commerzbank und Morgan Stanley begleiten den Börsengang. Laut Brancheninformationen soll die Preisfindungsphase am Montag kommender Woche beginnen.

Für den Schritt an den Aktienmarkt plant Air Berlin laut Hunold die Rechtsform einer britischen Aktiengesellschaft Plc. an. Die erforderliche Genehmigung der britischen Aufsichtsbehörden liege allerdings noch nicht vor. "Da wir deutscher und britischer Gesetzgebung unterliegen, sind viele Abstimmungsprozesse nötig." Unter Zeitdruck, um die derzeit hervorragende Stimmung am Aktienmarkt auszunutzen, steht Air Berlin nach Hunolds Worten aber nicht. "Das ist keine Hauruck-Aktion. Der grobe Zeitraum steht schon lange fest."

ase/AP


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