Kapitalspritze LBBW will auf Staatshilfe zugreifen

Auch die größte deutsche Landesbank braucht offenbar fremde Hilfe: Die LBBW will sich angeblich mit einer Bürgschaft des Bundes und einer Kapitalspritze des Landes Baden-Württemberg stärken.


Stuttgart - Bis zu sechs Milliarden Euro könnte die Kapitalspritze für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) umfassen, heißt es aus informierten Kreisen. Die größte deutsche Landesbank soll demnach sowohl eine Kapitalspritze der Eigner bekommen als auch Bundesgarantien für Kredite in Anspruch nehmen, sagten mit der Sache vertraute Personen.

LBBW-Zentrale: "Ein Schluck aus der Pulle"
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LBBW-Zentrale: "Ein Schluck aus der Pulle"

Die Kernkapitalquote soll demnach auf neun bis zehn Prozent von zuletzt 7,3 Prozent erhöht werden. "Die LBBW soll einen ordentlichen Schluck aus der Pulle nehmen, um auch für künftige Risiken gewappnet zu sein", verlautete aus den Kreisen.

Das Land Baden-Württemberg sei als einer der maßgeblichen Eigentümer neben den Sparkassen und der Stadt Stuttgart bereit, eine weitere stille Einlage zu geben. Das Land könne aus dem Geschäft sogar Profit schlagen, da die Kreditaufnahme günstiger sei als der von der LBBW für die Einlage zu zahlende Zins.

Während die Bank bei der Kapitalaufstockung wohl auf ihre Eigner zählen kann, wird den Angaben zufolge bei der Absicherung von Krediten voraussichtlich der Bund in Anspruch genommen. Es werde über bis zu 30 Milliarden Euro Bundesgarantien geredet.

Ein LBBW-Sprecher wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Am Freitag kommen die Träger der LBBW zusammen, um über die angespannte Finanzsituation der Bank zu beraten. Die derzeitige Geschäftslage sei nicht rosig und habe sich auch im Oktober nicht verbessert, hieß es aus den informierten Kreisen. Die Finanzkrise habe "sehr deutliche Spuren" hinterlassen. Bereits zur Jahresmitte war das Stuttgarter Institut nach Steuern mit 144 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht.

In diesem Halbjahresverlust waren die Folgen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und die Auswirkungen des Beinahe-Bankrotts von Island noch nicht berücksichtigt. Die LBBW stelle sich auf eine länger andauernde Finanzkrise und eine deutlich schwächere Konjunktur ein.

Die Landesbanken in der Übersicht
BayernLB
Die BayernLB gehört über die BayernLB Holding AG zu rund 94 Prozent dem Freistaat Bayern und zu rund sechs Prozent dem Sparkassenverband Bayern. mehr auf der Themenseite...
Bremer Landesbank
Die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg Girozentrale gehört zu 92,5 Prozent der Nord/LB. Das Land Bremen hält einen Anteil von 7,5 Prozent. mehr auf der Themenseite...
HSH Nordbank
Die HSH Nordbank ist aus der Hamburgischen Landesbank und der Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangen. Als einzige Landesbank hat sie einen privaten Anteilseigner: Der US-Investor JC Flowers hält 9,2 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Die Hansestadt Hamburg hält 10,9 Prozent, 15 Prozent gehören dem Land Schleswig-Holstein und den Sparkassen des Landes. Der Hauptanteil von 64,2 Prozent wird vom HSH Finanzfonds, einer gemeinsamen Anstalt der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, gehalten.mehr auf der Themenseite...
Landesbank Baden-Württemberg
Die LBBW ist die größte deutsche Landesbank und gehört zu jeweils 35,6 Prozent dem Land Baden-Württemberg und den Sparkassen des Landes. Die Stadt Stuttgart hält 18,9 Prozent, die rheinland-pfälzischen Sparkassen und die Landeskreditbank Baden-Württemberg halten je 4,9 Prozent. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Berlin
Die LBB gehört seit 2007 zu 98,6 Prozent dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband und damit allen deutschen Sparkassen. Die restlichen 1,4 Prozent sind Streubesitz. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Hessen-Thüringen
Die Helaba, offiziell Landesbank Hessen-Thüringen, gehört zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Das Land Thüringen ist mit fünf Prozent beteiligt, Hessen mit zehn Prozent. mehr auf der Themenseite...
Norddeutsche Landesbank
Die Nord/LB gehört zu 41,8 Prozent dem Land Niedersachsen. Die niedersächsischen Sparkassen halten 37,3 Prozent, überdies sind die Sparkassen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beteiligt. mehr auf der Themenseite...
Landesbank Saar
Noch gehört die SaarLB zu 75,1 Prozent der BayernLB. Weitere Anteilseigner sind der Sparkassenverband Saar und das Bundesland Saarland. Doch die BayernLB will sich in den kommenden Jahren schrittweise vollständig von dem Institut trennen. mehr auf Wikipedia...
WestLB
Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände, Rheinischer Sparkassen- und Giroverband (RSGV) sowie Westfälisch-Lippischer Sparkassen- und Giroverband (WLSGV), halten je über 25 Prozent der Anteile, das Land Nordrhein-Westfalen hält 17,4 Prozent, die NRW-Bank 31,1 Prozent. Eigentümer der NRW-Bank sind das Land Nordrhein-Westfalen mit 98,6 Prozent sowie die beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit jeweils 0,7 Prozent. mehr auf der Themenseite...

cvk/Reuters/dpa-AFX



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