Karrieren Breuer gibt auf

Einer der einflussreichsten Banker Deutschlands zieht sich zurück: Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf Breuer beugt sich dem Druck des seit Jahren gegen das Geldhaus prozessierenden Medienunternehmers Leo Kirch und räumt seinen Posten.


Frankfurt/Main - Die Nachricht kam völlig unerwartet: Rolf Breuer räumt seinen Posten bei Deutschlands größter Geschäftsbank. Damit wolle der 69-jährige Breuer das Institut "von weiteren Diskussionen um seine Person entlasten", erklärte die größte deutsche Bank am Sonntag in Frankfurt am Main. Der Rücktritt wird zum 3. Mai wirksam. Nachfolger wird der bisherige Finanzchef Clemens Börsig, der seit 2001 dem Deutsche-Bank-Vorstand angehört.

Aufsichtsratsvorsitzender Breuer: Schwere Niederlage
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Aufsichtsratsvorsitzender Breuer: Schwere Niederlage

Sonnenbankgebräunt und stets wie aus dem Ei gepellt hat Rolf Breuer stets eine Aura von Macht und Erfolg verströmt. Lange Jahre hat er als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank die Strippen der deutschen Finanzwelt gezogen. Pannen und Fehlschläge - von denen es nicht wenige gab - prallten dabei lange Jahre an ihm ab. Doch nun trifft den 68-Jährigen ist bereits die zweite schmerzliche Niederlage innerhalb eines Jahres: Im Herbst musste Breuer auf Druck von Großaktionären als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse zurücktreten.

Hintergrund für den Rückzug aus dem Bank-Aufsichtsgremium ist Breuers Ärger mit der Justiz: Ende Januar hatte der Bundesgerichtshof (BHG) entschieden, der ehemalige Deutsche-Bank-Chef habe mit Äußerungen über die Finanzlage Kirchs zu dessen Pleite beigetragen. Zugleich machte der BGH den Weg frei für Schadenersatzforderungen gegen Breuer und die Bank.

Kirch wird den Rücktritt Breuers wohl mit einer gewissen späten Genugtuung aufnehmen. "Ich denke, das war überfällig", sagte Kirchs Anwalt Peter Gauweiler.

Fatales Interview

Anlass des Verfahrens war ein Interview von Februar 2002. Darin hatte Breuer nach Ansicht Kirchs dessen Kreditwürdigkeit in Zweifel gezogen und damit den Zusammenbruch von dessen Imperium besiegelt.

Breuer hatte einem Fernsehsender damals zu möglichen weiteren Finanzspritzen für den angeschlagenen Kirch gesagt: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Gut zwei Monate später, am 8. April, musste die KirchMedia als erste Gesellschaft des angeschlagenen Medienkonzerns Insolvenz anmelden.

Der BGH entschied nach einer Klage Kirchs am 24. Januar, die Deutsche Bank und ihrer früherer Chef Breuer müssten grundsätzlich für einen Teil der Milliardenpleite haften. Allerdings beschränkt sich der Schadenersatzanspruch Kirchs nur auf einen möglichen Verlust bei der Kirch-Tochter Printbeteiligungs GmbH, da die Deutsche Bank nur für sie einen Kredit gegeben hatte.

Kirch hatte ursprünglich mehrere Milliarden Euro Schadenersatz gefordert, die tatsächliche Summe dürfte jedoch weitaus niedriger liegen. Der BGH regte an, die Parteien sollten sich außergerichtlich einigen.

Schwere Niederlage

Kirch fordert seit längerem Breuers Rücktritt und begründet dies mit einem Interessenkonflikt. Es könne nicht sein, dass Breuer dem Institut womöglich milliardenschweren Schaden zugefügt habe, gleichzeitig aber noch das Kontrollgremium leite, so die Argumentation. Mit einem Rechtsgutachten hatte der Medienunternehmer Finanzkreisen zufolge erst vor wenigen Wochen diese Position gegenüber dem Aufsichtsrat nochmals untermauert und auf Konsequenzen gedrängt.

Breuers Rücktritt darf damit als schwere Niederlage gewertet werden. Der promovierte Jurist Breuer war seit 1985 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, zwischen 1997 und 2002 leitete er das Institut. Der Schweizer Josef Ackermann wurde sein Nachfolger, Breuer wechselte zugleich in den Aufsichtsrat und leitete fortan das Kontrollgremium. Weitere Aufsichtsratsmandate hatte Breuer bei dem Energiekonzern Eon, der Münchener Rück, Lufthansa und Siemens. Ein Mandat als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Börse musste er 2005 im Rahmen von Auseinandersetzungen mit Hedgefonds aufgeben, die eine Übernahme der Londoner Börse durch die Frankfurter Konkurrentin verhindern wollten.

Breuers Nachfolger Börsig ist seit 1999 bei der Deutschen Bank. Zuvor war der heute 58-Jährige bei RWE, Bosch und dem Mannesmann-Konzern tätig. In den Deutsche-Bank-Vorstand rücken zum 4. Mai Anthony Di Iorio und Hugo Bänziger nach. Di Iorio übernimmt die Leitung des Finanzbereichs, Bänziger ist künftig für Risikomanagement zuständig.

mvb/rtr/ap/afp/dpa



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