Karstadt-Krise Belegschaft träumt von Softie-Sanierung

Angestellte und Gewerkschafter des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns haben sich einem Medienbericht zufolge auf ein eigenes Rettungskonzept verständigt. Angesichts der dramatischen Lage scheint ihr Plan allerdings wenig realitätstauglich: Kündigungen und Häuserschließungen wollen die Arbeitnehmer ebensowenig akzeptieren wie Einschnitte beim Urlaub.


Karstadt-Filiale: Am liebsten nur ein bisschen sanieren
DPA

Karstadt-Filiale: Am liebsten nur ein bisschen sanieren

Berlin - Der Plan sieht nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung vor, dass die Beschäftigten auf übertarifliche Leistungen unter anderem bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Auch gegen den Verkauf der Logistiksparte des Konzerns gebe es keinen Widerstand. Allerdings wolle die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di verhindern, dass die Beschäftigten nach dem niedrigeren Speditionstarif bezahlt würden. Betriebsrat und Gewerkschaft erwarteten als Gegenleistung für eventuelle Zugeständnisse einen Beschäftigungspakt.

Umstritten sei laut dem Blatt noch der im Sanierungsplan vorgesehene Verkauf von 77 kleineren Karstadt-Filialen, der vom Management geforderte Lohnverzicht bei Mehrarbeit und der Verzicht auf Aushilfen beim Verkauf. Belegschaft und Gewerkschaft wehrten sich weiterhin entschieden gegen betriebsbedingte Kündigungen, die Ausgliederung des Restaurantpersonals, den Verzicht auf fünf Tage Urlaub sowie die Schließung von zehn großen Warenhäusern und vier Sportfilialen.

Der Plan dürfte als Maximalforderung der Belegschaft zu verstehen sein. Angesichts der dramatischen Situation bei KarstadtQuelle Chart zeigen scheinen jedoch härtere Schnitte unvermeidbar. Konzernchef Christoph Achenbach hatte angekündigt, zahlreiche Filialen veräußern zu wollen. Auch die Entlassung tausender Mitarbeiter ist mehreren Medienberichten zufolge wahrscheinlich. Am Wochenende hatte der Manager mit einer möglichen Insolvenz des Handelsriesen gedroht, falls die Arbeitnehmer die Einschnitte nicht hinnehmen sollten. Wenn Ver.di sich quer stelle, drehten die Banken und Großaktionäre den Geldhahn zu. "Dann wäre es aus", so Achenbach.

Gesamtbetriebsrat für härtere Sanierung

Grafik: Bedrohte Filialen
DER SPIEGEL

Grafik: Bedrohte Filialen

Erstaunlich ist, dass der Belegschaftsvorschlag so weit von der Position des Managements entfernt liegt, obwohl KarstadtQuelles Gesamtbetriebsrat Wolfgang Pokriefke die Lageeinschätzung Achenbachs weitgehend teilt. Wenn mit der Belegschaft keine Einigung über die Sanierungsmaßnahmen erzielt werden könne, drohe die Insolvenz, hatte Pokriefke am Montag gesagt. Der Gewerkschafter ist auch stellvertretender Aufsichtsratschef des Unternehmens.

Eine Stellungnahme von KarstadtQuelle oder der Gewerkschaft war zunächst nicht erhältlich. Die Einzelheiten des Belegschaftsplans sollen am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main erläutert werden. Eine Sprecherin von Ver.di hatte am Montagabend gesagt, die Arbeitnehmerseite habe sich in Kassel auf die Einsetzung einer Verhandlungskommission geeinigt, die mit dem Vorstand Gespräche führen soll. Die Kommission soll von Ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold geführt werden, die ebenfalls im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle sitzt.



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