Karstadt-Krise Der Countdown läuft noch 25 Tage

Im Ringen um einen Kompromiss bei der Sanierung des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns liegen die Positionen der Verhandlungsführer von Belegschaft und Geschäftsführung noch weit auseinander. Doch die Zeit drängt. Bis Ende Oktober muss der Sanierungsplan stehen, sonst droht der finanzielle Kollaps.


Karstadt-Filiale: Arbeitszeitverlängerung soll ein Tabu bleiben
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Karstadt-Filiale: Arbeitszeitverlängerung soll ein Tabu bleiben

Frankfurt am Main/Düsseldorf - Der Karstadtvorstand befürchtet, dass die Banken Ende Oktober die Kredite fällig stellen könnten, wenn bis dahin nicht ein aussichtsreiches Sanierungskonzept auf dem Tisch liegt. In der Mitarbeiterzeitung warnte Konzernchef Christoph Achenbach außerdem davor, dass dann die geplante Kapitalerhöhung gefährdet sein könnte. Für die Ermächtigung zu einer Kapitalerhöhung müsse der Konzern noch in diesem Jahr eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Das aber erfordere einen gewissen Vorlauf.

Eine Annäherung der Positionen scheint nicht in Sicht. Gewerkschaft und Gesamtbetriebsrat zeigten zwar Bereitschaft zu Abstrichen bei übertariflichen Leistungen. Dazu gehört ein Teil des Weihnachtsgeldes, Sonderurlaub und Leistungszulagen. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, in diesen Feldern seien Abstriche denkbar. Längeren Arbeitszeiten werde man aber nicht zustimmen. "Die Arbeitszeit darf nicht angerührt werden."

In einer gemeinsamen Resolution forderten Ver.di und die Arbeitnehmervertreter außerdem den kategorischen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Alle Warenhäuser sollten im Konzern bleiben, alle Konzernteile müssten erhalten bleiben. An den bestehenden Tarifverträgen dürfe nicht gerüttelt werden.

Der Geschäftsführung des angeschlagenen Handelskonzerns geht dieses Entgegenkommen nicht weit genug. "Dieses Angebot reicht sicher nicht aus für eine erfolgreiche Sanierung", sagte Konzernsprecher Jörg Howe. "Es gibt keine Alternative zu den vorgelegten Sanierungsmaßnahmen."

Kündigungen sind unausweichlich

Das Konzept sieht unter anderem die Auslagerung und möglichst den Verkauf von 77 der 181 Warenhäuser sowie die Veräußerung aller 305 Fachgeschäfte des Konzerns vor. Außerdem sollen alle Mitarbeiter Gehaltskürzungen akzeptieren. Auch das Management will seine Bezüge entsprechend kürzen. Konzernchef Achenbach hatte mehrfach betont, dass betriebsbedingte Kündigungen unter den 100.000 Mitarbeitern unausweichlich seien. 100.000 Mitarbeiter entsprechen rund 76.000 Vollzeitstellen. Bislang hat das Unternehmen den Verlust von rund 4200 Vollzeitstellen angekündigt, rund 7000 Beschäftigte wären davon betroffen.

Dass die Zeit drängt, ist auch den Unterhändlern der Arbeitnehmer klar. Am Montag hatte der Gesamtbetriebsrat erklärt, dass der Konzern ohne eine schnelle Einigung auf eine Insolvenz zusteuern könnte. Trotzdem will man vermeiden, dass um einer schnellen Einigung willen einzelne Aspekte herausgegriffen werden. "Wir verhandeln über ein Gesamtpaket", sagte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Pokriefke zur Strategie der Arbeitnehmer.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) warnte unterdessen beide Seiten vor einer kompromisslosen Haltung. "Ich hoffe sehr, dass es dort zu einem einvernehmlichen Vorgehen im Unternehmen kommt." Es gehöre auf beiden Seiten Entschlossenheit dazu. "Alles andere würde das Unternehmen - um es vorsichtig auszudrücken - in eine äußerst schwierige Lage bringen." Die öffentliche Hand und die Politik könnten dem Unternehmen nicht helfen, sagte der Minister. Die Bundesagentur für Arbeit stehe aber mit ihren Instrumenten bereit, falls "Not am Mann" sei. Davon gehe man aber derzeit nicht aus.



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