Karstadt-Krise Hoffnungsschimmer nach Einigung

Nach tagelangen Verhandlungen ist das Sanierungskonzept für den KarstadtQuelle-Konzern unter Dach und Fach. Nach der Einigung zwischen Geschäftsführung und Belegschaft beschloss auch der Aufsichtsrat am Nachmittag die notwendige Kapitalerhöhung.


Verkäuferin im Karstadt-Haus Halle: Empfindliche Einbußen beim Gehalt
DDP

Verkäuferin im Karstadt-Haus Halle: Empfindliche Einbußen beim Gehalt

Berlin - Insgesamt kann der Handelskonzern nach den heutigen Entscheidungen mit 1,26 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln rechnen. Neben der Kapitalerhöhung, die 500 Millionen Euro einbringen soll, liefert das Sparpakt, auf das sich Vorstand und Arbeitnehmervertreter geeinigt haben, nach Angaben von KarstadtChart zeigen-Chef Christoph Achenbach rund 760 Millionen Euro. Im Einzelnen sieht das Sparpaket den konzernweiten Abbau von 5500 Arbeitsplätzen in den kommenden drei Jahren sowie Entgeltkürzungen vor. Betriebsbedingte Kündigungen werden weitgehend ausgeschlossen. Tarifliche Gehaltsanhebungen würden für drei Jahre ausgesetzt und erst dann nachgezahlt, wenn die Dividendenzahlung an die Aktionäre wieder aufgenommen wird, erläuterte Ver.di-Verhandlungsführerin Franziska Wiethold.

Beide Verhandlungsparteien werteten das Ergebnis als Erfolg. Zwar wollte Achenbach nicht von einer Rettung des Konzerns vor der Insolvenz sprechen, doch auf der Basis der Vereinbarungen bestünden gute Chancen für die Zukunft ("wenn es eine Insolvenzgefahr gegeben hätte, wäre sie jetzt gebannt"). Wiethold räumte schmerzhafte Einschnitte für die Belegschaft ein, es sei aber von Anfang an klar gewesen, dass ein Beschäftigungspakt diese mit sich bringen würde.

Zudem sei für die über 100.000 Beschäftigten des Konzerns und ihre Familien viel erreicht worden, sagte Wiethold. So gebe es eine Standortgarantie für 67 der 77 kleineren Filialen, die der Konzern ausgliedern und nach Möglichkeit an einen Investor verkaufen will.

Karstadt-Sprecher Howe: Einigung in letzter Minute
AP

Karstadt-Sprecher Howe: Einigung in letzter Minute

Von den 5500 Arbeitsplätzen, die abgebaut werden, sollen 4000 Stellen im Warenhausbereich und 1500 im Versandgeschäft wegfallen. Vorgesehen sei, vornehmlich in der Verwaltung zu kürzen und die betroffenen Arbeitnehmer nach Möglichkeit im Verkauf einzusetzen, sagte Wiethold.

Das letzte Wort zur Kapitalerhöhung haben nun die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 22. November. Die Großaktionäre Madeleine Schickedanz und die Allianz seien dazu bereit, neue Aktien für rund 280 Millionen Euro zu übernehmen. Die Zusage sei an die Bereitschaft der Gläubigerbanken geknüpft, eine Kreditzusage über 1,75 Milliarden Euro bei einer Laufzeit von drei Jahren zu geben. Die Verhandlungen mit den Banken seien in einem fortgeschrittenen Stadium, teilte der Vorstand nach der Aufsichtsratssitzung mit.

Die Einzelhandelsverbände HDE und BAG begrüßten die Einigung zwischen Management und Arbeitnehmervertretern. Die für Karstadt gefundene Lösung solle als Öffnungsklausel in die Einzelhandels-Flächentarifverträge eingebaut werden, forderte der HDE in Berlin. Dazu gehörten insbesondere die vereinbarten Nullrunden beim Gehalt. Auch der BAG sprach sich dafür aus, die Tarifverträge flexibler zu handhaben und beispielsweise Sonderzahlungen an den betrieblichen Erfolg des Unternehmens zu knüpfen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.