Karstadt-Krise Konzernchef fordert schnelle Einigung

Der Sanierungsplan für den angeschlagenen Handelskonzern Karstadt sieht für die Beschäftigten harte Einschnitte vor. Für eine Einigung mit dem Betriebsrat bleibt Konzernchef Christoph Achenbach jedoch nur wenig Zeit: Schon bis Mitte Oktober will er das Sanierungspaket unter Dach und Fach haben.


Karstadt-Chef Achenbach: Schwierige Verhandlungen mit Betriebsrat
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Karstadt-Chef Achenbach: Schwierige Verhandlungen mit Betriebsrat

Frankfurt am Main/Essen - Die schnelle Einigung sei Voraussetzung für die dringend notwendige Kapitalerhöhung und die Verhandlungen mit den Banken, begründete der Manager den Zeitdruck während eines Treffens mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und zahlreichen Bürgermeistern in Düsseldorf. Bisher war von einem Zeitraum von vier Wochen ausgegangen worden.

Die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmervertretern und Vorstand werden sich aller Voraussicht nach außerordentlich schwierig gestalten. Nach der ersten Verhandlungsrunde in Frankfurt am Main sagte Warenhaus-Chef Helmut Merkel, es werde "mit großer Ernsthaftigkeit an einer Lösung gearbeitet". Details wollte er jedoch nicht nennen.

Der Gesamtbetriebsrat der Warenhaus AG und Ver.di präsentierten am Dienstag in Frankfurt ihren Kurs zur Unternehmenssanierung. Dabei zeigten sie sich zu Zugeständnissen bei übertariflichen Leistungen bereit. Hier gebe es einen Verhandlungskorridor, erklärte Franziska Wiethold vom Ver.di-Bundesvorstand. Einzelheiten wollte auch sie nicht nennen.

Diskussion über Mehrarbeit und Gehaltsverzicht

Zu den übertariflichen Leistungen zählen laut Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Prokriefke unter anderem Prämien und Sonderurlaube für langjährige Mitarbeiter und ein freiwilliges Weihnachtsgeld von durchschnittlich etwa 600 Euro, das zusätzlich zu dem tariflichen Weihnachtsgeld gezahlt wird.

Gewerkschaft und Gesamtbetriebsrat lehnten aber eine Verlängerung der Arbeitszeit und dauerhafte Tarifeinschnitte ab. Das Unternehmen forderte dagegen, auch über Urlaub, Mehrarbeit und Gehaltsverzicht zu verhandeln. Derzeit droht nach Gewerkschaftsangaben rund 7000 Beschäftigten der Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Karstadt-Sprecher Jörg Howe betonte aber, dass der Vorschlag auf keinen Fall für eine erfolgreiche Sanierung ausreiche. Es müsse auf jeden Fall auch über Urlaub, Mehrarbeit und Gehaltsverzicht gesprochen werden. Dies seien auch die Forderungen, die die Karstadt-Führung beim Gespräch mit dem Gesamtbetriebsrat und Ver.di am Dienstag stellen werde, hieß es in Essen.

Ver.di will auf Streiks verzichten

Trotz der unterschiedlichen Haltungen sind aber Streiks laut Ver.di derzeit kein Thema. "Es wäre unverantwortlich, über Streiks zu reden, wenn noch nicht einmal die ersten Verhandlungen mit der Unternehmensleitung stattgefunden haben", betonte Wiethold.

Ver.di und Betriebsrat fordern den Verbleib der 77 zum Verkauf stehenden kleineren Warenhäuser im Konzern. Diese hätten durchaus eine Überlebenschance, sagte Prokriefke. Außerdem verlangte er einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und den Erhalt der Tarifverträge.

Zudem müssten Anteilseigner, Banken und der Vorstand einen wesentlichen Beitrag leisten, sagte Wiethold. Er forderte die Banken auf, die notwendigen Kreditlinien langfristig einzuräumen und keinen weiteren Druck aufzubauen.



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