Karstadt-Mutterkonzern Bund lehnt Notkredit für Arcandor ab

Es ist die zweite Abfuhr innerhalb weniger Stunden: Der Bund lehnt nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa einen Notkredit für den maroden Handelskonzern Arcandor endgültig ab. Zuvor hatte bereits der Deutschlandfonds Hilfe verweigert - eine Insolvenz der Karstadt-Mutter rückt damit immer näher.


Berlin - Die Bundesregierung will Arcandor Chart zeigen nicht mit einem Kredit helfen. Die Entscheidung sei - entgegen früheren Berichten - endgültig, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Der Beitrag der Banken, Eigentümer und Vermieter sei zu gering, hieß es in Regierungskreisen.

Karstadt-Filiale: Für das Unternehmen wird es eng
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Karstadt-Filiale: Für das Unternehmen wird es eng

Arcandor hatte staatliche Rettungsbeihilfen in Form eines Kredites von 437 Millionen Euro beantragt, um eine noch diese Woche drohende Insolvenz abzuwenden. An diesem Freitag läuft eine Kreditlinie über 650 Millionen Euro aus. Spätestens bis dahin muss ein Rettungskonzept stehen.

Am Montagmittag hatte bereits der Deutschlandfonds Hilfen für Arcandor verweigert. Dabei ging es um staatliche Bürgschaften.

Dass die Bundesregierung nun auch Rettungsbeihilfen abgelehnt hat, ist für Arcandor ein schwerer Schlag. Damit führt praktisch kein Weg mehr an der Insolvenz vorbei. Das Unternehmen muss seine fälligen Kredite bis Freitag verlängern. Im Vorfeld hatte das Management bereits angekündigt, dass dies nur mit Staatshilfe gehen werde. Sollte es keine staatliche Unterstützung geben, müsse man unverzüglich Insolvenz anmelden.

Der Betriebsrat der Arcandor-Tochter Karstadt reagierte geschockt. "Ich bin total erschlagen, damit habe ich nicht gerechnet", sagte die Essener Gesamtbetriebsrätin Gabriele Schuster. Karstadt aus einer drohenden Insolvenz heraus zu sanieren, koste deutlich mehr Arbeitsplätze als eine Rettung, sagte sie. "Dafür habe ich kein Verständnis - so viele Existenzen, wie da dranhängen."

Zunächst hatte es geheißen, die Absage der Bundesregierung sei nicht endgültig. Man habe nur das Arcandor-Konzept in der aktuellen Form abgelehnt - Nachbesserungen seien also möglich. Doch kurze Zeit später wurde laut dpa klar: Für Arcandor gibt es praktisch keine Hoffnung mehr.

Offenbar hilft es auch nicht, dass die Gläubigerbanken zu Zugeständnissen bereit sind. Die Institute hätten grundsätzlich die Forderung des Bundes akzeptiert, sechs Monate auf Zinszahlungen zu verzichten, wenn der Bund den von Arcandor beantragten Notkredit bewillige, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die Banken, die ein kleineres Engagement bei Arcandor hätten, seien zu diesem Schritt bereit gewesen. Als Bedingung drängten sie aber auf eine klare Ausstiegsmöglichkeit nach einem halben Jahr. Größte Kreditgeber von Arcandor sind die BayernLB, die Commerzbank Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Chart zeigen.

Auch die Eigentümer sind offenbar zu Zugeständnissen bereit. So haben das Bankhaus Sal. Oppenheim und die Erbin Madeleine Schickedanz eine Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro für Arcandor in Aussicht gestellt. "Wir alle haben das Ziel, zu einer Lösung zu finden, bevor es zu einer Insolvenz kommt", sagte Friedrich Carl Janssen, der persönlich haftender Gesellschafter von Sal.Oppenheim und zugleich Aufsichtsratschef von Arcandor ist.

"Die Gesellschafter von Sal. Oppenheim unterstreichen noch einmal ihre Bereitschaft, als Miteigentümer von Arcandor an einer Kapitalerhöhung von bis zu 150 Millionen Euro teilzunehmen. Ich kann hier auch für Frau Schickedanz sprechen, die ebenfalls entsprechend ihrer Beteiligung an der Arcandor AG die Kapitalerhöhung mit trägt."

Arcandor will nicht aufgeben

Sal. Oppenheim war im September 2008 bei Arcandor eingestiegen. Die Bank hält direkt und indirekt 28,6 Prozent der Anteile und liegt damit knapp vor dem Aktionärspool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, dem 26,7 Prozent zugerechnet werden. Beide wollen ihrem Anteil entsprechend zu der Kapitalerhöhung mittragen und für den Rest der Summe Partner ins Boot holen.

Arcandor selbst will trotz des negativen Bescheids der Bundesregierung nicht aufgeben. In einer Mitteilung vom Montagabend heißt es: "Der Vorstand wird heute Abend und im Laufe des morgigen Vormittags erneut die Gespräche mit den Beteiligten suchen, um alle Möglichkeiten für eine weitere Aufstockung der Zusagen auszuloten und das Verfahren offen zu halten." Das Unternehmen räumte allerdings ein, dass dies nur gelingen kann, wenn es über die bereits vorhandenen Zusagen hinaus "weitere Beiträge von Eigentümern, Banken und Vermietern gibt".

Die Arcandor-Aktie stürzte am Montagabend ab: Das Minus belief sich auf mehr als 43 Prozent.

Wie ernst die Lage ist, macht auch eine Mitteilung der Arcandor-Tochter Thomas Cook vom Montagnachmittag deutlich: "Thomas Cook ist ein eigenständiges und profitables Unternehmen, das an der Londoner Börse notiert ist", hieß es in einer Erklärung des Reiseunternehmens. Die Sparte ("Neckermann Reisen", "Bucher Last Minute") sei "sowohl operativ als auch finanziell unabhängig von Arcandor". Bei Thomas Cook gehe das Tagesgeschäft daher "ganz normal weiter". Die Situation bei Arcandor habe keine Auswirkungen auf die Thomas-Cook-Kunden.

Arcandor hält 52,8 Prozent der Thomas-Cook-Anteile. Der Reiseveranstalter gilt als einziger Gewinnbringer des Arcandor-Konzerns.

itz/wal/dpa/AP/Reuters



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