KarstadtQuelle Immobilienverkauf soll Schuldenproblem lösen

KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff sieht die Sanierung des angeschlagenen Handelskonzerns im Plan. Für den Weg aus der Schuldenfalle hat er auch schon ein Patentrezept: Den Verkauf des milliardenschweren Immobilienbesitzes.


Düsseldorf - Middelhoff sagte heute in Düsseldorf, das Traditionsunternehmen prüfe derzeit sowohl den Verkauf oder Teilverkauf der Warenhäuser in besten Innenstadtlagen als auch einen Börsengang seiner Immobiliensparte. Schon Ende 2006 könne dadurch der Schuldenberg von derzeit noch fast drei Milliarden Euro abgetragen sein. Ziel sei es, KarstadtQuelle bis Ende 2006 zu einem Konzern mit einem Umsatz von 17 bis 18 Milliarden Euro zu machen, der rentabel und schuldenfrei sei, sagte Middelhoff. Die Sanierung des Ende 2004 nur knapp der Pleite entronnenen Handelsriesen wäre damit innerhalb von zwei Jahren praktisch abgeschlossen.

KarstadtQuelle-Chef Middelhoff: Immobilien gehören nicht zum Kerngeschäft
AP

KarstadtQuelle-Chef Middelhoff: Immobilien gehören nicht zum Kerngeschäft

Der Zeitpunkt für den Verkauf des Karstadt-Tafelsilbers - der Wert der Immobilien wird auf rund drei Milliarden Euro geschätzt - ist nach Meinung des Managers derzeit günstig. Denn durch die große Nachfrage der Investmentfirmen und Immobilienfonds würden sehr hohe Preise für Immobilien gezahlt. Auch der Konkurrent C&A habe sich deshalb bereits von Immobilien getrennt. Der Besitz der Häuser und Grundstücke sei für KarstadtQuelle kein strategisches Kerngeschäft, betonte Middelhoff. Es reiche für den Konzern, die Verkaufsräume zu mieten.

Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass es bereits ein Paket von insgesamt 40 Logistikimmobilien für deutlich mehr als 400 Millionen Euro vorrangig an internationale Investorengruppen verkauft hat. Zu den verkauften Objekten gehören unter anderem das Quelle-Logistikzentrum in Leipzig sowie das regionale Warenverteilzentrum in München.

Neue Aquisitionen geplant

Middelhoff zog zum Jahresende eine positive Bilanz seiner Aufräumarbeiten bei dem Essener Traditionskonzern. 2004 sei das Unternehmen "völlig außer Kontrolle" gewesen. "Jetzt geht es nicht mehr so sehr um Rettung und Sanierung, jetzt geht es um rentables Wachstum für KarstadtQuelle." Dabei plane das Unternehmen auch wieder Akquisitionen.

Vor allem im Warenhausgeschäft sieht sich der Handelsriese dank der Konzentration auf 90 Warenhäuser sowie 32 Sporthäuser und durch neue Verkaufskonzepte wieder auf Erfolgskurs. Im Weihnachtsgeschäft liege der Konzern nach sieben Verkaufstagen um elf Prozent über Plan und um 13 Prozent über den Vorjahreszahlen, betonte der Manager. Dabei habe der Konzern auf Rabatte weitgehend verzichtet.

Auch was andere Geschäftsfelder betreffe, sei die Entwicklung positiv: "Wir gewinnen Marktanteile." Auch die Entwicklung in den Bereichen Dienstleistungen und Immobilien bewege sich am oberen Rand der Erwartungen.

Sorgenkind Versandhandel

Sorgenkind ist allerdings weiterhin das Deutschland-Geschäft der Versandhäuser Quelle und Neckermann. Hier werde der Konzern voraussichtlich auch 2006 noch weitere Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, doch werde dies durch das Wachstum im Auslandsgeschäft und bei den Spezialversendern wettgemacht, erklärte Finanzvorstand Harald Pinger.

Hoffnungen setzt der Konzern auf seine Touristiksparte. Die 50-prozentige Beteiligung an Deutschlands zweitgrößtem Reiseveranstalter Thomas Cook werde als künftiges Kerngeschäft zum Jahresende erstmals anteilmäßig in der KarstadtQuelle-Bilanz konsolidiert, sagte Middelhoff. Dies sorgt in der Bilanz für einen Umsatzschub in Höhe von 3,75 Milliarden Euro.



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