KarstadtQuelle Middelhoffs neuer Krisenherd

Die Sanierungsbemühungen von KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff erhalten einen Dämpfer. Durch die Probleme bei den Töchtern Quelle und Neckermann ist die Ergebnisprognose für den Gesamtkonzern Makulatur. Eine neue Sparrunde steht bevor.

Von , Frankfurt


Thomas Middelhoff: Brände allerorten
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Thomas Middelhoff: Brände allerorten

Frankfurt am Main - Thomas Middelhoff war bemüht, mögliche Erwartungen an sein Sanierungsprogramm für den angeschlagenen Handelskonzern KarstadtQuelle Chart zeigen schnell zu dämpfen. "Dies ist ein Werkstattbericht", sagte der Vorstandschef bei einer ersten Bilanz seines Rettungsprogramms für das malade Handelshaus.

Seit 60 Tagen schraubt der frühere Bertelsmann-Chef an dem Kaufhaus- und Katalogkonzern herum, der im vergangenen Jahr knapp an der Pleite vorbeigeschrammt war. Dabei eröffnet sich nun ein neuer Krisenherd. Angesichts der Schieflage der inländischen Versandhandelstöchter Quelle und Neckermann muss KarstadtQuelle die Ergebnisprognose von rund 500 Millionen Euro auf rund 350 Millionen in diesem Jahr reduzieren. Der Umsatzrückgang soll nun im mittleren einstelligen Bereich liegen. Zuvor hatte Middelhoff einen Einbruch im kleinen bis mittleren Bereich erwartet.

"Die Lage in der Sparte hat sich nach eingehender Prüfung als deutlich komplizierter erwiesen, als bislang angenommen", attestierte Finanzvorstand Harald Pinger. Nach Angabe von Pinger liegt der Umsatz im Versandhandel 5,5 Prozent unter Plan. Insgesamt sollen in dem Bereich nun 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Dabei stehen möglicherweise neue Einschnitte im Personalbereich bevor. "Wir haben umgehend Kontakt zur Arbeitnehmerseite aufgenommen", sagte Pinger. Demnach verhandelt der Konzern bereits mit der Gewerkschaft Ver.di und dem Betriebsrat. Die Gespräche sollen bis zum Ende des dritten Quartals abgeschlossen sein.

"Ich werde hier keine Zahlen nennen"

Ob und wie viele Arbeitsplätze in der Katalogsparte gefährdet sind, wollten die Verantwortlichen nicht sagen. "Ich werde hier keine Zahlen nennen", erklärte Middelhoff. Bereits im Zuge des im vergangenen Jahr mit Ver.di ausgehandelten Sanierungsprogramms war ein Stellenabbau vereinbart worden.

Auf jeden Fall will der Konzern sparen, indem das verschachtelte Firmengeflecht im Versandbereich aufgelöst wird. Einen Bereichsvorstand gibt es nicht mehr, Quelle und Neckermann werden in GmbHs umgewandelt, die in Zukunft unabhängig voneinander agieren. Die Kataloge, die bislang alle Kunden von Sechs bis Sechzig bedienten, sollen schlanker werden. Gerade Neckermann richtet sich künftig ausschließlich an jüngere Kunden.

Rückschlag für das Sanierungsprogramm

Der Einbruch im Versand ist für Middelhoff ein schwerer Rückschlag, zumal das Sanierungsprogramm in den anderen Sparten zu greifen begann. Nach Angabe des Konzernchefs lag etwa die Warenhaussparte im Plan. "Hier haben wir seit Jahren wieder eine Stabilisierung", sagte Middelhoff.

Auch die Touristikbeteiligung Thomas Cook liegt demnach im Rahmen der Erwartungen. Middelhoff machte dabei klar, dass Karstadt den 50-Prozent-Anteil nicht abgeben möchte. "Im Gegenteil, wenn möglich kaufen wir zu." Neben Karstadt ist auch die Lufthansa Chart zeigen an Thomas Cook beteiligt.

Zudem sieht Middelhoff Fortschritte beim Verkauf von Konzerntöchtern, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Golf House und Wehmeyer seien bereits veräußert worden. Bei Runners Point und SinnLeffers laufen die Verhandlungen. Mit Abschlüssen ist Ende des dritten Quartals zu rechnen. Insgesamt rechnet das Unternehme mit Einnahme in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Zusätzlich Erlöse sollen der Verkauf der Karstadt Hypotheken Bank bringen, sowie die Veräußerung von faulen Kundenkrediten. Hier liefen Verhandlungen, hieß es. Geschätzte Einnahmen: 1,3 Milliarden Euro.

Keine Ergebnisse konnte der Vorstandsvorsitzende beim Verkauf der insgesamt 75 kleinen Karstadt-Filialen präsentieren. Hier werde noch verhandelt. Ergebnisse sollen wiederum im dritten Quartal vorliegen.

Das alles wird nicht reichen. Die Einbrüche im Versand neutralisieren schlicht die Erfolge in anderen Bereichen. "Wir müssen die Geschwindigkeit bei der Sanierung deutlich beschleunigen", sagt dann auch Middelhoff. Der Konzern ist noch weit vom normalen Geschäft entfernt.



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