KarstadtQuelle Übereinkunft in letzter Minute

Nach einem 29-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich der Konzern und die Gewerkschaft Ver.di in Essen auf ein Sanierungspaket geeinigt. Es enthält ein Sparprogramm und schließt betriebsbedingte Kündigungen so gut wie aus.


Karstadt-Sprecher Howe: Einigung in letzter Minute
AP

Karstadt-Sprecher Howe: Einigung in letzter Minute

Essen - Insgesamt sollen nach Angaben von KarstadtQuelle-Chef Christoph Achenbach 760 Millionen Euro eingespart werden, verteilt über einen Zeitraum von drei Jahren.

Ohne Personalabbau ist dies nicht zu schaffen, auch wenn der Konzern Chart zeigen auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten will. "Entlassungen sind so gut wie ausgeschlossen", sagte Verdi-Unterhändlerin Franziska Wiethold. Man habe sich aber darauf geeinigt, in den kommenden drei Jahren im Warenhausbereich 4000 Stellen sozialverträglich abzubauen. Im Versandhandel würden etwa 1500 Stellen wegfallen.

Die Übereinkunft wurde in letzter Minute erzielt. Bereits seit 15 Uhr tagt der Aufsichtsrat, um über eine dringend benötigte Kapitalerhöhung entscheiden, die am 22. November von einer außerordentlichen Hauptversammlung gebilligt werden soll. Von der Kapitalspritze und der Einigung mit den Arbeitnehmern hatten die Gläubigerbanken des in eine Existenzkrise geratenen Warenhaus- und Versandhandelskonzerns ihre Zustimmung zu einer Verlängerung und Aufstockung der Kreditlinien abhängig gemacht.

Bis zum frühen Morgen hatten die Positionen offenbar noch weit auseinander gelegen. Kurz darauf hatte Konzernsprecher Howe dann aber eine deutliche Annäherung verkündet. Auch die Gewerkschaft Ver.di hatte im Laufe des Vormittags von Fortschritten berichtet. Sie hatte vor allem auf dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bei KarstadtQuelle bestanden. Der Vorstand hatte Einsparungen beim Personal von mehr als 500 Millionen Euro im Warenhausbereich sowie dem Vernehmen nach von weiteren 250 Millionen Euro im Versand verlangt.

Die Arbeitgeber hatten am Mittwoch im Kaufhausbereich 483 Millionen Euro angeboten, diese Summe aber im Laufe der Nacht aufgestockt. Am Morgen war bei Ver.di die Rede von 500 Millionen Euro. Streit hatte es nach Darstellung der Gewerkschaft über die Zusammensetzung des Betrags gegeben. Die Arbeitnehmer wollten die Einsparungen über Kürzungen bei den übertariflichen Leistungen erzielen und warfen der Unternehmensführung vor, unbedingt Einschnitte im Tarifbereich durchsetzen zu wollen.



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