Kartellamts-Bedenken Premiere setzt Bundesliga-Vermarktung aus

Neuer Ärger für Premiere: Das Kartellamt hat Bedenken wegen der gemeinsamen Bundesliga-Übertragung, auf die sich der Bezahlsender mit dem Rivalen Arena geeinigt hat. Die Vermarktung des Angebots über Satellit wurde jetzt bis auf Weiteres gestoppt.


München - "Die Prüfung durch das Kartellamt ist langwieriger und umfassender als erwartet. Durch die Aussetzung der Vermarktung gewinnen alle Beteiligten den nötigen Spielraum, die Transaktion detailliert zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen", sagte Premiere-Chef Georg Kofler zu dem Entschluss der beiden Unternehmen. Premiere Chart zeigen und Arena seien bemüht, die Bedenken so schnell wie möglich auszuräumen. Bis Ende Mai solle ein "kartellrechtlich unbedenkliches Modell" der Kooperation entwickelt werden.

Premiere-Kamera im Stadion: Arena hatte dem Bezahlfernsehsender die Rechte bei einer Auktion weggeschnappt
DDP

Premiere-Kamera im Stadion: Arena hatte dem Bezahlfernsehsender die Rechte bei einer Auktion weggeschnappt

Die Verbreitung von Arena über das Kabelnetz sei nicht betroffen, hieß es in einer Mitteilung. Gestoppt werde lediglich die Vermarktung von Arena durch Premiere über Satellit. Premiere-Haushalte mit Satelliten-Empfang, die bereits ein Arena-Abonnement hätten, könnten zudem weiter ohne Einschränkung das Angebot des Konkurrenten empfangen.

An der Börse zeigte man sich trotzdem entsetzt über die heutige Ankündigung. Die Premiere-Aktien fielen in den ersten Handelsminuten in Frankfurt um über acht Prozent. Kein Wunder - der Pakt ist für Premiere wichtig. Mit ihm soll eine der schwersten Krisen der Firmengeschichte überwunden werden: Arena hatte Premiere zuvor die Übertragungsrechte für die Bundesliga bei einer Auktion weggeschnappt. Erst durch das Bündnis schien die Möglichkeit, das Angebot deutschlandweit aufrechtzuerhalten gesichert.

Arena will an Kapitalbeteiligung festhalten

Im Zuge der Allianz übernahm Arena über eine Kapitalerhöhung 16,7 Prozent der Premiere-Anteile. Dabei soll ein unternehmerischer Einfluss durch die Verwaltung der Anteile durch ein unabhängiges Finanzinstitut ausgeschlossen werden. Die beiden Konkurrenten wollten so eigentlich Kartellprobleme vermeiden. Das Bundeskartellamt hatte aber bereits angekündigt, das Bündnis unter die Lupe zu nehmen, da noch nicht klar sei, ob es sich bei der Kooperation um einen Zusammenschluss handle, der unter die Fusionskontrolle falle und daher angemeldet werden müsse. Die Bonner Behörde sieht es grundsätzlich kritisch, wenn Kabelnetzbetreiber wie Unity Media TV-Sender kontrollieren, weil auch andere Sender wirtschaftlich auf die Verbreitung im Kabelnetz angewiesen sind.

Trotz der Bedenken des Kartellamts soll die bestehende Beteiligung zwischen beiden Häusern Bestand haben, teilte die Arena-Mutter Unity Media mit. "Das wird nicht ausgesetzt", sagte ein Sprecher. Er ließ offen, ob die bisherige Geschäftsprognose von Arena angesichts der kartellrechtlichen Probleme Bestand hat. Arena wollte ursprünglich dank der Kooperation schon im laufenden Jahr operativ schwarze Zahlen schreiben.

ase/dpa/Reuters



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