Kartellamts-Entscheidung Aktien von Lotto-Anbietern im Höhenflug

Die Pläne des Bundeskartellamtes für mehr Wettbewerb auf dem Lotto-Markt beflügeln die Geschäftsaussichten der nicht-staatlichen Anbieter - und deren Aktienkurse. Die Papiere des Anbieters Fluxx legten heute um 45 Prozent zu.


Frankfurt am Main - "Jetzt gibt es eine einwandfreie rechtliche Grundlage", sagte ein Fluxx-Sprecher. Damit sei es leichter, in Filialen von Supermärkten und Tankstellen Terminals zum Lottospielen aufzustellen. Die Lottogesellschaften hätten versucht, Fluxx Chart zeigen darin zu boykottieren, was das Kartellamt nun als illegal bezeichnet habe.

Böge (Archivfoto): Kartellamts-Chef sorgt für Kursfeuerwerk
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Böge (Archivfoto): Kartellamts-Chef sorgt für Kursfeuerwerk

Die Aktie der in Altenholz bei Kiel ansässigen Fluxx legte zeitweise um 45 Prozent zu. Die Papiere des Online-Lottoanbieters Tipp24 stiegen zeitweise um fast sieben Prozent, obwohl das Hamburger Unternehmen nach eigenen Angaben von der Entscheidung nicht direkt betroffen sei. "Jeder Prozentpunkt, den wir mehr aushandeln, geht direkt in den Umsatz und fließt eins zu eins in den operativen Gewinn", sagte ein Tipp24-Sprecher. Er wies zudem darauf hin, dass Tipp24 anders als Fluxx keine stationäre, sondern nur eine Online-Vermittlung von Lotto betreibt.

Aktienhändler verwiesen auf den aktuellen Beschluss des Bundeskartellamts als Kurstreiber. Darin haben die Kartellwächter einen illegalen Boykott von Fluxx durch die Lottogesellschaften festgestellt. Das Kartellamt will mehr Wettbewerb beim staatlichen Lotto durchsetzen. Auch Privatvermittlern soll es möglich sein, von Kunden Lottoscheine anzunehmen, wie aus dem Beschluss hervorgeht.

Die 16 staatlichen Gesellschaften dürften den Markt nicht weiter regional in den Ländergrenzen unter sich aufteilen, sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Diese Absprache sei eine unzulässige "Gebietsaufteilung" und verstoße gegen deutsches und europäisches Recht. Die Entscheidung komme dem Verbraucher zu Gute, da er dann zwischen preislich oft unterschiedlichen Angeboten auswählen könne.

Böge machte klar, dass es bei den Entscheidungen des Kartellamts nicht um das staatliche Wettmonopol gehe, sondern nur um die Vermittlung und den Vertrieb "staatlicher Produkte" der Lottogesellschaften. Die Beschlüsse des Kartellamts sind sofort vollziehbar. Die Lottogesellschaften können dagegen noch innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen. Folgen sie den Verfügungen der Kartellwächter nicht, droht ihnen ein hohes Bußgeld.

Weiterhin Unsicherheit bei Sportwetten

Nach Ansicht von Analyst Jochen Reichert von SES Research stellt die Entscheidung eine Liberalisierung des Vertiebs von Lotterieprodukten dar und hat für Anbieter wie Fluxx zwei positive Effekte: Die nun bestehende Rechtssicherheit beim Direkt-Lotto versetze das Unternehmen in die Lage, die Auslieferung von Lotto-Terminals an Partner wie die Supermarktkette Edeka nun ohne Verzögerungen umzusetzen. Zudem sei mit der Entscheidung der Weg für neue Partnerschaften mit anderen Supermärkten frei.

Zu Bedenken gab Analyst Reichert indes, dass Sportwetten einen signifikanten Anteil des Geschäfts bei Fluxx ausmachten - in diesem Bereich bestehe weiterhin Rechtsunsicherheit. Zudem laufe das Unternehmen angesichts der nun erfolgten Kartellamtsentscheidung Gefahr, seine Position als "First Mover" zu verlieren - nach der Liberalisierung sei das Aufkommen von Konkurrenz zu erwarten.

Schließlich sage die neue Rechtslage auch nichts über das Verhalten der Kunden aus. Es sei nicht sicher, ob Lottospieler künftig Automaten ihrem angestammten Kiosk vorzögen.

tim/dpa-AFX/Reuters



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