Kartellamtsvorschlag Springer soll die "Bild" verkaufen

Einige Zugeständnisse hat der Axel Springer Verlag schon gemacht - dennoch lehnt das Kartellamt die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch das "Bild"-Zeitungshaus weiter ab. Die Kartellbehörde fordert bedeutend radikalere Schritte von Springer.


Berlin - Das Kartellamt habe die von dem Medienkonzern angebotenen Auflagen und Veräußerungsvorschläge nicht gelten lassen, bestätigte Springer-Sprecherin Edda Fels am späten Nachmittag. Die bisher angebotenen Kompromisse reichten nach Ansicht der Behörde insgesamt nicht aus, um den Kauf der TV-Sendergruppe zu genehmigen. Das gehe aus einem Zwischenbescheid hervor, den das Amt dem Verlag zugestellt hat.

"Bild"-Zeitung (im August 2004): Ein Vorschlag, den Springer nur ablehnen kann
DPA

"Bild"-Zeitung (im August 2004): Ein Vorschlag, den Springer nur ablehnen kann

Das Kartellamt verlange, dass Springer entweder die "Bild"-Zeitung oder einen der Sender ProSieben oder Sat1 abgebe, so Fels weiter. Dies hat der Springer-Chef Mathias Döpfner aber bereits kategorisch abgelehnt. Somit erscheint fast unausweichlich, dass das Kartellamt die Übernahme verbietet.

Springer hätte dann nur noch die Chance, die Fusion durch eine so genannte Ministererlaubnis vom Bundeswirtschaftsministerium doch genehmigen zu lassen - oder müsste gegen das Kartellamt klagen. Der Verkäufer von ProSiebenSat.1, der US-Investor Haim Saban, müsste sich wiederum nach einem neuen Käufer umsehen.

Springer hat nun bis mittags am 12. Januar Zeit, sich zu dem Zwischenbescheid des Amtes zu äußern. Fels wollte heute noch nicht sagen, wie die Reaktion des Verlages aussehen könnte. Man müsse sehen, sagte sie. Endgültig will das Kartellamt dann am 20. Januar über die strittige Übernahme entscheiden.

Kartellamt: Fast alle Springer-Vorschläge irrelevant

Springer hatte angeboten, in die Lizenzverträge von Sat.1 und Pro Sieben hineinschreiben zu lassen, dass "Bild TV" und jedwede Cross-Promotion zwischen Zeitungen, Zeitschriften und Sendern ausdrücklich untersagt seien. Dazu teilt das Kartellamt laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" mit, diese Auflagen seien teils nicht zulässig und obendrein für das Verfahren irrelevant.

Die von Springer angebotene Veräußerung von rund 30 Zeitschriftentiteln, Radios und Pressevertrieben halte das Kartellamt ebenfalls für unerheblich, berichtet die "FAZ". Springer hatte unter anderem angeboten, sich von Objekten wie der "Hörzu" und der "Funk Uhr" zu trennen.

Für beachtlich halte das Kartellamt allerdings das Angebot Springers, aus sämtlichen, gemeinsam mit dem Medienkonzern Bertelsmann gehaltenen Unternehmen auszusteigen, schreibt die "FAZ". Doch mindere dies den Einruck eines "symmetrischen", mehr oder weniger konkurrenzlosen Marktes im Fernsehen zwischen Bertelsmann/RTL und ProSiebenSat.1 nicht. Falls Springer ProSiebenSat.1 kaufe, komme es auf jeden Fall zu einer "Verstärkung des Duopols" auf dem Fernsehmarkt mit ProSiebenSat.1 auf der einen und den Bertelsmann/RTL-Sendern auf der anderen Seite.     

KEK: So viel Papier muss erstmal gelesen werden

Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hat unterdessen mitgeteilt, dass ihre Entscheidung zu den TV-Plänen Springers eventuell doch noch nicht wie geplant am Dienstag bekannt gegeben wird.

Ob es eine Entscheidung geben werde, könne er noch nicht sagen, sagte KEK-Geschäftsstellenleiter Bernd Malzanini auf Anfrage in Potsdam. Die KEK habe von Springer gestern Abend einen "umfangreichen Schriftsatz" erhalten, der jetzt gesichtet und analysiert werden müsse. Die Kommission werde am Dienstag aber definitiv über den Springer-Antrag beraten.

Die KEK lehnt die Übernahme bisher ebenfalls ab und hatte Springer aufgefordert, bis gestern eine Stellungnahme zu ihrer Forderung nach einem TV-Beirat für ProSieben oder Sat.1 mit weitreichenden wirtschaftlichen und programmlichen Befugnissen abzugeben. Springer lehnt einen Beirat mit Personal-, Inhalte- und Budgethoheit strikt ab, erklärte sich aber zu einem Beirat mit Veto- und Kontrollrechten bereit.

Springer: TF1-Einstieg steht nicht zur Debatte - "derzeit"

Unterdessen berichtete heute das "Handelsblatt", der französische Fernsehkonzern TF 1 habe Interesse an einer Minderheitsbeteiligung an ProSiebenSat.1 angemeldet. TF 1 würde dann einsteigen, wenn das Bundeskartellamt, das am 20. Januar über die Fusion entscheiden will, Springer auffordern würde, einen Partner hinzuzuziehen.

Springer dementierte den Inhalt des Berichts. "Das steht derzeit nicht zur Debatte", sagte Fels.

TF1 ist in Deutschland mit dem Spartensender Eurosport präsent. Das Interesse der Franzosen am deutschen Fernsehmarkt ist nicht neu. Schon im Frühjahr 2003 hatte der Konzern mit Saban über eine Beteiligung an Deutschlands größter Fernsehgruppe verhandelt.



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