Als erstes ausländisches Unternehmen Katar beteiligt TotalEnergies an Flüssiggasprojekt

Es sei eher eine Hochzeit als eine Partnerschaft, heißt es aus Katar. TotalEnergies und der Golfstaat wollen gemeinsam das wohl weltweit größte Erdgasfeld erschließen. Auch andere Energiekonzerne zeigten Interesse.
TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanne (l.) und Katars Energieminister Saad Sherida al-Kaabi: der Deal steht

TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanne (l.) und Katars Energieminister Saad Sherida al-Kaabi: der Deal steht

Foto: KARIM JAAFAR / AFP

Der französische Energiekonzern TotalEnergies hat von Katar als erstes ausländisches Unternehmen den Zuschlag für die gemeinsame Erschließung des größten Erdgasfeldes der Welt erhalten. Wie Katars Energieminister Saad Scherida al-Kaabi mitteilte, wird TotalEnergies 6,25 Prozent der Anteile an dem Projekt halten, durch das Katar seine Erdgasförderung bis 2027 um 60 Prozent steigern will.

Der Vorstandsvorsitzende von TotalEnergies, Patrick Pouyanne, sagte, das Unternehmen werde 25 Prozent eines Zuges – oder einer Verflüssigungs- und Reinigungsanlage – an dem Projekt halten. Die Erweiterung soll die Verflüssigungskapazität Katars von 77 Millionen auf 126 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2027 erhöhen. Insgesamt gibt es laut Katar vier sogenannte Züge – TotalEnergies ist zu einem Viertel an einem virtuellen Zug beteiligt und verfügt damit über den Gesamtanteil von 6,25 Prozent.

TotalEnergies ist das erste ausländische Unternehmen, mit dem das Emirat beim Projekt »North Field East« zusammenarbeiten will, weitere sollen folgen. Erdgasimporte aus Katar haben für europäische Staaten seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den darauffolgenden westlichen Sanktionen erheblich an Bedeutung gewonnen.

Im Mai hatte Katar mit Deutschland eine Energiepartnerschaft unterzeichnet. Bereits 2024 will das Emirat laut dem Vizeregierungschef des Golfstaats, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani, die Bundesrepublik mit Flüssiggas beliefern. Katar steht immer wieder wegen systematischer Verstöße gegen Menschenrechte und der Ausbeutung von Arbeitsmigranten in der Kritik.

»Eher eine Hochzeit als eine Partnerschaft«

Beim »North Field East«-Projekt soll Gas aus dem South-Pars-Feld gewonnen werden, das sich im Persischen Golf von der Küste vor Katar bis nach Iran erstreckt. Katar ist neben den USA und Australien bereits eines der Hauptförderländer von Flüssiggas. Laut Schätzungen des staatlichen Konzerns Qatar Energy (QE) kontrolliert das Emirat rund zehn Prozent der weltweiten Gasreserven.

Der katarische Minister al-Kaabi bezeichnete den Vertrag mit TotalEnergies als »eher eine Hochzeit als eine Partnerschaft«, der Vertrag läuft bis 2054. Nach Brancheninformationen wollen unter anderem auch die Energiekonzerne ExxonMobil, Shell und ConocoPhillips Anteile am »North Field East«-Förderprojekt erwerben. Katar hatte ursprünglich geplant, das Projekt allein zu stemmen.

ani/AFP
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