WM-Gastgeber Katar zahlt Mindestlohn – 230 Euro im Monat

Die Arbeitsbedingungen für Migranten in Katar sind prekär. Jetzt wurde der Mindestlohn erhöht. Amnesty International kritisiert, dass die Menschen davon kaum ihre Lebenshaltungskosten decken können. Katar hält ihn für hoch.
Ausländische Arbeiter auf einer Baustelle in Doha (Archivbild)

Ausländische Arbeiter auf einer Baustelle in Doha (Archivbild)

Foto: EPA / dpa

Etwa zwei Millionen Arbeitsmigranten leben und schuften im Emirat Katar an der Ostküste der arabischen Halbinsel. Sie machen rund 95 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung des Landes aus – und sind ein wichtiger Faktor bei der Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft, die Katar 2022 ausrichtet.

Viele der Migranten bauen oder warten Stadien, arbeiten in Hotels, als Reinigungskräfte oder Fahrer – unter häufig prekären Bedingungen.

Jetzt hat Katar den Mindestlohn für alle in- und ausländischen Arbeiter in Vollzeit erhöht. Seit heute erhalten Arbeitnehmer umgerechnet mindestens rund 230 Euro im Monat. Das sind bei der in vielen Bereichen dort üblichen Sechstagewoche rund 9,58 Euro am Tag. Arbeitgeber werden außerdem verpflichtet, Zulagen von umgerechnet 70 bis 115 Euro für Essen und Wohnraum zu zahlen oder ihren Angestellten beides zur Verfügung stellen.

Bislang hatte der Mindestlohn bei 750 Rial, rund 172 Euro, im Monat gelegen. Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation sind von der Erhöhung rund 400.000 Arbeiter betroffen.

Katar hatte vor Monaten den Schritt angekündigt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die Höhe des Mindestlohns schon damals als völlig unzureichend kritisiert und Zweifel geäußert, dass die Menschen davon ihre Lebenshaltungskosten decken können.

Der Mindestlohn sei deutlich höher, als in den Ländern, aus denen der Großteil der Arbeitsmigranten stamme, argumentiert dagegen der reiche Golfstaat. Die Arbeiter kommen demnach vor allem aus Nepal, Bangladesch, Indien und Sri Lanka.

Katar ist eigenen Angaben zufolge das erste Land in der Region, das einen Mindestlohn für alle einführt. Der Golfstaat hofft, dass die Reformen das Land attraktiv für Investoren machen.

Arbeiter hungern wegen verspäteter Lohnzahlungen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) dokumentierte im August 2020 in einem Bericht  die arbeitsrechtlich desolaten Zustände in dem Emirat. »Zehn Jahre, nachdem Katar den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bekommen hat, kämpfen Arbeitsmigranten noch immer mit verspäteten, ausbleibenden und reduzierten Lohnzahlungen«, heißt es darin. »Wir haben von Arbeitern gehört, die wegen verspäteter Lohnzahlungen hungern müssen.«

Katar wird wegen der Menschenrechtslage im Land immer wieder heftig kritisiert. Die Monarchie hatte deshalb im vergangenen Jahr verschiedene Reformen auf dem Arbeitsmarkt angekündigt. Ausländische Arbeiter dürfen seitdem ohne Zustimmung des Arbeitgebers ausreisen oder den Job wechseln.

Zuvor hatte das sogenannte Kafala-System dafür gesorgt, dass Wanderarbeiter in Katar wie Sklaven behandelt wurden. Die Beschäftigten durften ohne Erlaubnis des Arbeitgebers weder das Land verlassen noch für ein anderes Unternehmen tätig sein. Sie durften ohne sein Placet kein Geld auf der Bank leihen oder einen Führerschein machen.

ala/dpa/AFP
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