Nachfolge von Patricia Schlesinger Streit um Wahlprozedur der vorübergehenden RBB-Intendantin

Unter der Belegschaft des Rundfunks Berlin Brandenburg herrscht nach SPIEGEL-Informationen Aufruhr über die vorgeschlagene Interims-Intendantin. Dass einzig WDR-Kandidatin Katrin Vernau zur Wahl steht, sei keine echte Wahl.
RBB-Zentrale in Berlin

RBB-Zentrale in Berlin

Foto: Paul Zinken / picture alliance/dpa

Viel Zeit haben die Mitglieder des RBB-Rundfunkrats nicht, um sich über die bevorstehende Wahl zu informieren. Am Mittwoch sollen sie gemeinsam mit dem Verwaltungsrat über eine Interims-Nachfolge für die zurückgetretene Intendantin Patricia Schlesinger bestimmen. Darauf vorbereiten können sie sich gerade mal einen Tag. Wie schön, dass ihnen die Auswahl dabei wohl denkbar einfach gemacht wird:

Bereits am Montag wurde enthüllt, dass es offenbar bereits eine Favoritin für die vorübergehende Intendanz gibt: Wirtschaftswissenschaftlern Katrin Vernau, bisherige Verwaltungsdirektorin des WDR, ehemalige Partnerin bei der Unternehmensberatung Roland Berger und ein ARD-Gewächs, das den Verbund gut kennt. Dem Rundfunkrat soll sie laut RBB als einzige Kandidatin vorgestellt werden – sie kann lediglich abgelehnt oder abgenickt werden.

Harte Kritik aus der Belegschaft

Unter den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist man über diese Vorgangsweise mehr als verärgert. Nicht nur habe man über die Medien von der möglichen Kandidatin erfahren müssen – man habe sich auch noch in eine »selbst gewählte Alternativlosigkeit« begeben.

»Wir bezweifeln, dass das gewählte Verfahren ohne echte Auswahl für die Rundfunkräte geeignet ist, das Vertrauen der Belegschaft in die Interimsintendantin zu fördern«, schreibt Dagmar Bednarek, selbst Mitglied der vierköpfigen Findungskommission und Vorsitzende der Freienvertretung in einer Stellungnahme. Das Agieren des WDR-Intendanten Tom Buhrow sei in der rbb-Belegschaft mit großer Skepsis wahrgenommen worden. »Allein der Eindruck, mit Frau Vernau werde eine Statthalterin des WDR eingesetzt, wäre eine erhebliche Bürde«. Darüber hinaus gebe es Zweifel, ob die Interimsintendantin ihre Schlüsselrolle auch im Interesse der RBB-Belegschaft ausüben werde.

Tatsächlich vermuten einige im Rundfunkrat in der Kandidatin Vernau eine Entsandte Buhrows, der man zwar nicht die Kompetenz, wohl aber die Eignung für den Standort Berlin absprechen wolle. »Auch eine Interimskandidatin sollte Ahnung von der Region haben«, sagt ein Rundfunkrat. Die Kriterien der Findungskomission, sie liegen dem SPIEGEL vor, hatten eine Kandidatin aus dem RBB explizit ausgeschlossen, ein »ARD-Gewächs« ausdrücklich nicht. Gleichzeitig ist darin von einer Person die Rede, die den Posten mit großer »Autorität und Glaubwürdigkeit« ausfüllt. Wird Vernau dieser Rolle gerecht?

Weitere geeignete Kandidaten und Kandidatinnen seien jedenfalls »nicht gehört« worden, sagt Bednarek, obwohl sie die Findungskommission im Blick hatte. Man appelliere an den Rundfunkrat, eine »echte Wahl« zu treffen.

DJV kritisiert mangelnde Transparenz

Ähnlich konsterniert ist man beim Berliner Ableger des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). In einer Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorliegt, kritisiert der Vorsitzende Steffen Grimberg das Verfahren scharf. »Wenn von der Findungskommission nur eine Person vorgeschlagen werden soll, müssen wir uns schon die Frage stellen, was das für eine Wahl ist«. Zudem sei ein Verfahren problematisch, bei dem es kaum Gelegenheit gebe, die Bewerberinnen beziehungsweise Bewerber kennenzulernen. »Der Rundfunkrat darf sich hier nicht entmachten lassen und muss für Offenheit und Transparenz sorgen.«

Von der künftigen Intendantin beziehungsweise dem Intendanten erwartet der DJV, dem Programm und seinen Macherinnen und Machern große Freiheiten zu lassen. »Dazu gehören auch bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Honorare für die freien Mitarbeitenden«, sagt Grimberg.

rai
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