Kaufhaus-Krise Übernahmegerücht lässt Karstadt-Kurs explodieren

Kurz vor Handelsschluss ist der zuletzt arg gebeutelte Kurs der Karstadt-Aktie in die Höhe geschossen. Grund: Es gibt Gerüchte, dass die US-Investmentgesellschaft Blackstone Anteile an dem angeschlagenen Handelshaus übernehmen könnte.


Auf Einkaufstour: Wird Blackstone bei KarstadtQuelle einsteigen?
AP

Auf Einkaufstour: Wird Blackstone bei KarstadtQuelle einsteigen?

Frankfurt am Main - Blackstone könne für das gesamte Unternehmen wie auch für Teile bieten, sagte Chad Pike, zuständig für das europäische Immobiliengeschäft von Blackstone, am Dienstag der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Börse reagierte prompt auf die Ankündigung.

Bereits im Vorfeld hatten Spekulationen den Kurs der Karstadt-Aktie Chart zeigen kräftig steigen lassen. "Das treibt natürlich den Aktienkurs des Handelskonzerns nach oben", sagte ein Händler. Das Papier kletterte kurz vor Handelsschluss um 24,30 Prozent auf 14,22 Euro.

Sollte Blackstone ein Angebot für das Essener Unternehmen abgeben, dann werde dies wohl ohne eine andere Investmentgesellschaft geschehen, sagte Pike. Derzeit schaue sich jeder den Einzelhandelskonzern an. Nach den Worten des Blackstone-Managers hat es bereits in der Vergangenheit Kontakte mit dem KarstadtQuelle-Management gegeben. Dabei sei es um Logistikaktivitäten gegangen.

Dass es Gespräche über eine Übernahme gibt, dementierte Blackstone-Sprecher John Ford. "Wir führen keine Gespräche über einen Einstieg oder sind zu solchen Verhandlungen eingeladen worden", sagte er in New York.

Das Unternehmen signalisierte allerdings Interesse an Immobilien von KarstadtQuelle. Sollte Blackstone zu Gesprächen darüber eingeladen werden, dann werde man darüber sprechen, so Ford.

Auch die Düsseldorfer Immobiliengruppe Corpus hat inzwischen grundsätzliches Interesse an den zum Verkauf stehenden Immobilien der Karstadt-Warenhausgruppe angemeldet. "Wir sind eine Immobiliengruppe, die immer Ausschau hält nach größeren Immobilienportfolios. Deshalb interessieren wir uns auch grundsätzlich für die Karstadt-Immobilien", sagte eine Corpus-Sprecherin. Gespräche mit KarstadtQuelle habe das Unternehmen aber ebenfalls noch nicht aufgenommen.

Dem KarstadtQuelle-Konzern ist nach Angaben eines Sprechers nichts über ein Übernahmeangebot durch Blackstone bekannt. "Davon weiß ich nichts", sagte ein Sprecher am Dienstag. "Ich kann das nicht weiter kommentieren", fügte er hinzu. Auch KarstadtQuelle-Vorstandschef Christoph Achenbach wollte sich zu den Gerüchten am Abend in Düsseldorf unmittelbar vor einem Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement nicht äußern.

Detlef Neveling, bei KarstadtQuelle Chef der Investor-Relations-Abteilung, verneinte ebenfalls Verhandlungen. "Es haben keine Gespräche mit Blackstone stattgefunden", sagte Neveling. Verhandlungen über das Immobilien-Portfolio des Konzerns schloss er jedoch nicht aus. "Es ist uns klar, dass unser Real-Estate-Portfolio eines der größten in Europa ist", so Neveling. "Wir verhandeln derzeit weltweit mit interessanten Gesprächspartnern. Ein solcher Gesprächspartner könnte Blackstone sein." Zugleich deutete er an, dass der angeschlagene Konzern selbstständig bleiben will.

Blackstone zählt zu den großen Investoren

Blackstone gehört zu den so genannten Private-Equity-Gesellschaften. Diese sammeln Millionenbeträge bei vermögenden Privatpersonen oder institutionellen Anlegern ein und investieren direkt in Unternehmen mit dem Ziel, die Firmen später mit Gewinn wieder zu veräußern.

Die Blackstone Group ist einer der größten Finanzinvestoren. Die Investmentgesellschaft hat seit ihrer Gründung in New York im Jahr 1985 bereits rund 30 Milliarden Dollar eingesammelt.

In Deutschland machte Blackstone jüngst durch die Celanese-Übernahme Furore. Celanese Chart zeigen war 1999 vom damaligen Hoechst-Konzern abgespalten und an die Börse gebracht worden. Blackstone hatte das Chemieunternehmen im April dieses Jahres für insgesamt 3,1 Milliarden Euro übernommen und hält mittlerweile mehr als 84 Prozent der außenstehenden Celanese-Aktien. Der Finanzinvestor will das Chemieunternehmen vollständig von der Börse nehmen und von den USA lenken.

KarstadtQuelle hat ein umfangreiches Sanierungsprogramm eingeleitet. Konzernchef Christoph Achenbach will 77 kleinere Warenhaus-Filialen von insgesamt 181 Häusern ausgliedern und verkaufen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.