Kaufhauskrise Steinmeier schaltet sich in Arcandor-Verhandlungen ein

Nach Opel jetzt die Warenhäuser? Frank-Walter Steinmeier will auch in der Karstadt-Krise persönlich vermitteln. Die Konkurrenten Arcandor und Metro müssten "auf Augenhöhe miteinander sprechen", fordert der SPD-Kanzlerkandidat. Bei einer Arcandor-Pleite stünden bis zu 50.000 Jobs auf dem Spiel.


Berlin - Im Ringen um die Zukunft des Reise- und Handelskonzerns Arcandor präsentiert sich SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier als Krisenmanager. "Ich spreche zurzeit mit Metro und Karstadt", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag". Notwendig sei ein Zukunftskonzept, das "lebensfähige Kaufhäuser und lebendige Innenstädte erhält". Der Konkurrent Metro ("Galeria Kaufhof") hatte angeboten, eine Lösung für eine "Deutsche Warenhaus AG" mit der angeschlagenen Arcandor-Tochter Karstadt auszuloten.

Kanzlerkandidat Steinmeier: "Drohende Verödung ganzer Innenstädte"
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Kanzlerkandidat Steinmeier: "Drohende Verödung ganzer Innenstädte"

Steinmeier kritisierte Forderungen aus der Union, die Politik müsse sich aus der Krise des Arcandor-Konzerns heraushalten: "So als ginge uns die drohende Verödung ganzer Innenstädte in Deutschland nichts an. Und wir dürfen eines nicht vergessen: Hier geht es um 50.000 Arbeitsplätze, Tausende Verkäuferinnen."

Es sei aber klar, dass sich das Kaufverhalten der Deutschen in den vergangenen Jahrzehnten geändert habe. "Wir brauchen ein Zukunftskonzept, das trägt, das lebensfähige Kaufhäuser und lebendige Innenstädte erhält. Ob mit einer deutschen Warenhaus AG, weiß ich noch nicht", sagte der SPD-Politiker der Zeitung.

Steinmeier ließ offen, in welcher Form er eine staatliche Unterstützung befürworten würde. SPD-Chef Franz Müntefering hatte sich zuvor bereits klar für finanzielle Staatshilfen ausgesprochen, um Arcandor zu retten. "Wir müssen da helfen. Eine Bürgschaft scheint mir notwendig und zukunftsträchtig zu sein", sagte Müntefering.

CDU-Mittelstand gegen Milliardenbürgschaft

Kritiker einer Bürgschaft in dreistelliger Millionenhöhe für Arcandor verweisen auf die Eigentümer, darunter die Privatbank Sal. Oppenheim und die Familie Schickedanz. Sie könnten demnach eine Kapitalerhöhung durchführen oder die Reisesparte Thomas Cook verkaufen, um die Arbeitsplätze bei Karstadt zu retten.

Der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung in der Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sprach sich etwa klar gegen Staatshilfen für Arcandor aus. Die Schwierigkeiten des Unternehmens hätten mit der Finanzkrise nichts zu tun, sagte Fuchs der in Landau erscheinenden "Rheinpfalz am Sonntag". Grobes Missmanagement habe das Unternehmen schon seit Jahren immer wieder in die Nähe der Pleite gebracht.

Es wäre unverantwortlich gegenüber den Steuerzahlern, Staatsgelder zur Rettung des Warenhauskonzerns auszugeben. Vielmehr stünden die Eigentümer in der Pflicht, "die nicht zu den Ärmsten der Welt gehören". Offenbar besäßen Sal. Oppenheim und die Familie Schickedanz jedoch keinerlei Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit ihres eigenen Unternehmens, sagte der CDU-Wirtschaftsexperte.

Fuchs kündigte an, im Bundestag gegen ein etwaiges Rettungspaket für Arcandor stimmen zu wollen. Das treffe für alle 133 Mitglieder der Mittelstandsgruppe in der Unionsfraktion zu. Der SPD, die eine staatliche Rettung von Arcandor befürwortet, warf Fuchs vor, nach dem Motto "Freibier für alle" mit den Steuergeldern "nur so um sich zu schmeißen".

Widerstand von Metro-Chef Cordes

Auch der Metro-Konzern will eine Bürgschaft mit allen Mitteln verhindern. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") kämpft Metro-Chef Eckhard Cordes indes weiter gegen Staatshilfen für den Konkurrenten Arcandor. Der Manager werde sich demnächst mit SPD-Politikern treffen, um für seine Argumente für eine privatwirtschaftliche Lösung zu werben, berichtete die Zeitung.

Sein Plan für eine Deutsche Warenhaus AG, in der die Karstadt-Häuser aufgehen sollten, werde weniger als 5000 Stellen kosten, heißt es der "FAS" zufolge in internen Plänen der Metro. Auch mit Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick werde sich Cordes zu einem weiteren Gespräch treffen, berichtet die "FAS" weiter, noch vor der Entscheidung in Berlin über die Gewährung einer Bürgschaft für den Kaufhaus- und Tourismuskonzern.

Laut einer Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" lehnen zwei Drittel der Bürger Staatshilfen für Karstadt ab. Einer Fusion von Kaufhof und Karstadt sehen der Emnid-Umfrage zufolge nur 32 Prozent skeptisch, 59 Prozent wäre ein solcher Zusammenschluss "eher egal".

Bis zum 12. Juni muss Arcandor Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro bei seinen drei großen Gläubigerbanken BayernLB, Dresdner Bank und der Royal Bank of Scotland refinanzieren - das scheint ohne staatliche Hilfen derzeit unmöglich.

Erst am Freitag war ein Papier bekanntgeworden, das die dramatische Lage des Konzerns deutlich macht. Nach Informationen von manager-magazin.de warnen Gutachter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), eine Bürgschaft wäre mit erheblichen Risiken verbunden: Arcandor verfüge mittlerweile praktisch über keine freie Substanz mehr, künftige Beteiligungsverkäufe könnten zu erheblichen Verlusten führen.

amz/Reuters/ddp/dpa/AP



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