Kaukasus-Konflikt BP schließt Pipelines in Georgien

Die Öl- und Gaspipelines in Georgien sind während der Kämpfe der vergangenen Tage unbeschadet geblieben. Trotzdem schloss BP am heutigen Dienstag zwei Leitungen - als Vorsorgemaßnahme, wie es hieß. Der Ölmarkt zeigte sich von dem Kaukasus-Konflikt unbeeindruckt.


London - Der Ölkonzern British Petroleum (BP) hat wegen des Krieges im Kaukasus zwei Öl- und Gaspipelines durch Georgien geschlossen. Keine der Leitungen sei allerdings beschädigt worden, sagte ein BP-Sprecher am Dienstag in London.

Georgien hatte Russland in dem seit Tagen dauernden militärischen Konflikt vorgeworfen, die Ölleitungen zu bombardieren. "Wir haben beide Pipelines geprüft - es gibt keine Berichte über Schäden", betonte der Sprecher. Als Vorsorgemaßnahme habe man aber am Montag die Western Route Export Pipeline (WREP) und am heutigen Dienstag die South Caucasus Pipeline (SCP) geschlossen.

Die Meldungen über ein mögliches Ende der Kämpfe im Kaukasus-Konflikt sorgten indes zeitweise für Entspannung an den internationalen Ölmärkten. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl fiel am Dienstag auf ein Tagestief von 112,48 Dollar.

Das waren 1,97 Dollar weniger als am Vortag. An der Börse in London gab der Preis für Brent-Rohöl auf ein Tagestief von 110,47 (minus 2,20) Dollar nach. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hatte zuvor die Einstellung der Kampfhandlungen in Georgien angeordnet. Zudem drückte der erstarkende Dollar auf die Ölpreise. Im Handelsverlauf pendelten sich die Ölpreise am Nachmittag auf dem Vortagesniveau ein.

Analyst rechnet mit steigenden Preisen

Nach Ansicht der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigten der Krieg in Georgien und die Schließung der über Tiflis laufenden internationalen Ölleitung keine nennenswerten Auswirkungen auf die Ölpreise. Die Preise der Ölterminkontrakte seien seit Anfang Juli um ein Fünftel gefallen, erklärt die IEA in ihrem Ölmarktbericht in Paris. Vor allem das Ausbleiben von Hurrikan-Schäden in der Karibik habe dafür gesorgt, dass der Ölpreis um 30 Dollar je Fass zurückging.

Von einer allgemeinen Entspannung geht der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, jedoch nicht aus. Trotz der Beruhigung der Lage im Kaukasus habe der Konflikt grundsätzlich die geopolitischen Spannungen verstärkt. In der aktuellen Marktstimmung sei auch ein schneller Anstieg der Ölpreise bis an die Marke von 120 Dollar weiterhin möglich, sagte Weinberg. Allerdings habe auch die jüngste Kurserholung die Ölpreise auf Talfahrt geschickt.

Der Euro erholte sich am Dienstag im Nachmittagshandel etwas von seinen zwischenzeitlichen Fall auf ein Sechs-Monats-Tief zum Dollar.

Energieagentur erhöht Nachfrageprognose

Die IEA erhöhte ihre Prognose für den Zuwachs der weltweiten Ölnachfrage 2009 um 60.000 auf 930.000 Fass. Grund sei die Zunahme des Ölverbrauchs der Schwellenländer, hieß es. Weltweit dürften 2009 rund 87,8 Millionen Fass Öl nachgefragt werden.

Die Ölförderung der Opec-Staaten stieg im Juli um 145.000 auf 32,8 Millionen Fass pro Tag. Vor allem Saudi-Arabien, Nigeria und Iran erhöhten die Produktion. Außerhalb des Anbieterkartells kurbelten vor allem Norwegen, Kanada, Brasilien und Argentinien die Förderung an. Weltwelt nahm die Förderung im Juli um 890.000 auf 87,8 Millionen Fass zu. Laut Weinberg gibt es Anzeichen, dass die Ölnachfrage aus den Boom-Regionen Chinas langsam an Kraft verliert. So habe der weltweit zweitgrößte Ölverbraucher im Juli einen Rückgang der Rohölimporte um sieben Prozent im Vergleich zum Vormonat gemeldet.

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist weiter gesunken. Wie die Opec am Dienstag in Wien berichtete, verbilligte sich der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) aus den Fördergebieten des Kartells am Montag um 1,46 Dollar auf 111,27 Dollar im Vergleich zum vergangenen Freitag. Die Opec berechnet den täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

kaz/dpa/dpa-AFX



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