Nach dem Schlüpfen geschreddert Kein Ende des Kükentötens in Sicht
Männliche Küken: Landwirtschaftsministerium in der Pflicht
Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance / dpaAuch im vergangenen Jahr sind in Deutschland laut einem Medienbericht wieder Millionen Küken getötet worden. Wie die »Saarbrücker Zeitung« unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen berichtete, wurden im vergangenen Jahr mehr als 40 Millionen Tiere nach dem Schlüpfen geschreddert oder mit giftigem Gas getötet.
Der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte dem Blatt, auch wenn die Zahl im Vergleich zu 2019 um fünf Millionen gesunken sei, »das Schreddern der männlichen Küken ist auch im letzten Jahr auf hohem Niveau weitergegangen«. Statistisch werde zwar nur die Anzahl der ausgebrüteten weiblichen Küken genannt, die Regierung gehe aber von einer ähnlichen Anzahl männlicher Küken aus.
Krischer kritisierte, dass das von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf den Weg gebrachte Gesetz über ein Verbot des Tötens männlicher Küken ab kommendem Jahr immer noch nicht auf der Tagesordnung des Bundestags stehe. »Das muss jetzt zeitnah passieren, sonst ist es wieder für 2022 zu spät«, sagte er der Zeitung. Die Landwirtschaftsministerin stehe in der Pflicht, ihr Versprechen einzuhalten, forderte der Grünen-Politiker. Anders als von Krischer behauptet, ist das Gesetz allerdings längst im Bundestag. Es wurde am 25. März eingebracht und in erster Lesung behandelt.
Nötig wurde das Gesetz, weil die Aufzucht der männlichen Tiere für die Industrie wirtschaftlich unrentabel ist. Sie werden daher unmittelbar nach dem Schlüpfen getötet. Das geplante gesetzliche Verbot hatte sich aber immer wieder verzögert, weil auch die Spezialfälle erfasst werden sollten. So sollen Ausnahmen für die Fälle gelten, in denen die Eintagsküken an solche Tiere verfüttert werden, die auf entsprechendes Futter für eine artgerechte Ernährung angewiesen sind. Wie die »Neue Osnabrücker Zeitung« am Donnerstag berichtet, arbeitet das Bundeslandwirtschaftsministerium derzeit an einem entsprechenden ergänzenden Formulierungsvorschlag zum vom Kabinett im Januar beschlossenen Verbotsentwurf.
Das Ministerium reagiere damit auf eine Stellungnahme des Bundesrats, der Anfang März eine Ergänzung gefordert hatte, berichtete die Zeitung weiter. Unter Verweis auf den speziellen Futterbedarf beispielsweise in Zoos oder Wildtierauffangstationen hatten die Bundesländer in ihrer Stellungnahme festgestellt: »Tierschutzethisch wäre es nicht sinnvoll, wenn hierfür andere Tiere aufgezogen und zum Zwecke der Verfütterung getötet werden müssen, obwohl männliche Küken aus Legelinien zur Verfügung stehen könnten.«