Keinen Investor gefunden Arcandor steht unmittelbar vor der Zerschlagung

Karstadt, Quelle-Versand und Thomas-Cook-Reisen unter einem Dach - damit ist es wohl bald vorbei. Der Arcandor-Konzern stellt die intensive Suche nach einem Investor für das gesamte Unternehmen ein. Damit ist so gut wie sicher, dass der Konzern zerlegt wird.


Essen - Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick gibt sein Ringen um die Rettung des insolventen Gesamtkonzerns auf. Ein gutes halbes Jahr nachdem der Manager die Führung des Unternehmens von Thomas Middelhoff übernommen hat, steht Arcandor Chart zeigen damit vor der Zerschlagung. Der Konzern teilte am Mittwoch mit, dass der Vorstand am 15. August die Suche nach einem Investor beenden wird, der das gesamte Unternehmen mit den Karstadt-Warenhäusern, der Versandsparte Primondo und dem Mehrheitsanteil am Reiseveranstalter Thomas Cook als Ganzes retten will.

Arcandor: Keinen Investor für den Gesamtkonzern gefunden
DPA

Arcandor: Keinen Investor für den Gesamtkonzern gefunden

Vor allem Konzernchef Eick hatte sich für eine Komplettlösung für Arcandor engagiert, nachdem der Konzern am 9. Juni einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Doch die Suche nach einem Investor gestaltete sich offenbar schwierig, mittlerweile ist bei Arcandor die Hoffnung geschwunden. "Aufgrund der jüngsten Entwicklungen und eines schwierigen Marktumfeldes sind die Chancen, einen Ankerinvestor zu finden, der die Fortführung des Konzerns ermöglicht, inzwischen als äußerst gering einzustufen", teilte das Unternehmen mit.

Knapp drei Wochen vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens will sich Arcandor nun auf die Suche nach Investoren für Konzernteile - vornehmlich für die Karstadt-Warenhäuser und den Versandhandel in der Sparte Primondo - konzentrieren. Am Mittwochnachmittag beriet der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg mit dem Gläubigerausschuss über die Zukunft des insolventen Unternehmens. Aus dem Unternehmen hieß es, Vorstandschef Eick unterstütze Görg bei der Investorensuche "nach besten Kräften, solange dies sinnvoll erscheint".

Die Aussichten auf eine Zukunft mit neuen Eignern sind für die Konzernteile unterschiedlich gut. Warenhaus-Konkurrent Kaufhof hatte Interesse bekundet, einen Großteil der Karstadt-Standort zu übernehmen. Zusammen mit den Kaufhof-Häuser sollten sie in einer Deutschen Warenhaus AG zusammengeführt werden. Ob nun mit dem Kaufhof-Mutterkonzern Metro Chart zeigen gesprochen werde, hänge von der Bank Merrill Lynch ab, die Arcandor in dieser Frage berät, sagte ein Konzernsprecher.

Auch für die Karstadt-Sporthäuser gab es schon Interessenten, für den Versandhandel sieht es schlechter aus. Arcandor teilte am Mittwoch mit, dass auch für Primondo ernsthafte Interessenten angesprochen würden. Dabei unterstütze das Bankhaus Metzler.

Der Quelle-Betriebsrat zeigte sich zuversichtlich. Über eine Zerschlagung sei bei Quelle bestimmt niemand traurig, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel. Der Zusammenschluss von Karstadt und Quelle sei ein strategischer Fehler gewesen. Er plädierte dafür, die Sparte mit dem Traditionsversand Quelle, Spezialversendern und Dienstleistern als Ganzes zu erhalten. Einzellösungen halte er nicht für sinnvoll, sagte Sindel. Allerdings sind mögliche Investoren nach bisherigen Berichten nur an Teilen interessiert. Unter anderen galt der Otto-Versand als Aspirant, nicht-insolvente Spezialversender zu übernehmen.

tko/dpa/AP/DJ



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.