Kerkorian gegen DaimlerChrysler Schrempp hat sein Kreuzverhör überstanden

Nach einem fünfstündigen Kreuzverhör am Mittwoch stand Jürgen Schrempp noch einmal im Zeugenstand. Damit hat der DaimlerChrysler-Chef seine Zeugenaussage im Schadenersatzprozess gegen den Autokonzern am Donnerstag in Wilmington abgeschlossen.

"Ich bin sehr zufrieden", sagte Schrempp anschließend vor dem Gerichtsgebäude. "Ich bedauere die Fusion in keiner Weise." Der Fall liege jetzt in den Händen des Richters. Schrempp hatte wegen seines zweiten Auftritts vor Gericht eine Aufsichtsratssitzung in Stuttgart verpasst.

Sein Auftritt im Milliardenprozess hatte am Dienstag mit der Aussage auf Befragung der eigenen Anwälte begonnen. In dem Prozess geht es um den Betrugsvorwurf des Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian. Er sieht in dem Zusammenschluss der Autokonzerne Daimler-Benz und Chrysler 1998 eine verdeckte Übernahme durch die Deutschen und hat das Unternehmen auf mehr als eine Milliarde Dollar Schadenersatz sowie Strafzahlungen in bislang ungenannter Höhe verklagt.

Schrempp verteidigte in der Befragung unter Eid die Linie einer "Fusion unter Gleichen". Dies gehe aus allen Dokumenten hervor und sei von ihm weder in vertraulichen Gesprächen noch in Interviews je in Frage gestellt worden. Christensen ging gleich zu Anfang auf das umstrittene Interview der "Financial Times" vom Oktober 2000 ein. Der Text war Auslöser für die Klage Kerkorians. Nach Darstellung der Zeitung räumte Schrempp dabei ein, dass der Zusammenschluss aus psychologischen Gründen als Fusion unter Gleichen deklariert worden sei. Diese Interpretation war nach Angaben von Schrempp aber nicht korrekt. "Sie waren entsetzt über den Artikel?", fragte Christensen. "Ja, in der Tat", antwortete Schrempp.

Auch die Frage, ob er eine Richtigstellung gefordert habe, brachte Schrempp nicht aus der Ruhe. Das sei auf Rat seiner Kommunikationsspezialisten nicht geschehen, weil solche Richtigstellungen die Dinge oft schlimmer machten als vorher, antwortete er. In dem Interview sei es um die Struktur des operativen Geschäfts gegangen. Bei Bekanntgabe des Deals hätten beide Seiten zunächst die Tatsache hervorgehoben, dass die Unternehmensleitungen als gleichberechtigte Partner zusammengeführt werden. Das sei zu dem Zeitpunkt erfolgreich abgeschlossen gewesen. Ihm habe daran gelegen, nun die von Anfang an geplante Struktur, das operative Geschäft von Chrysler als Sparte zu führen, zu betonen.

Der Anwalt von Kerkorians Investmentgesellschaft Tracinda ließ zahlreiche Fusionsdokumente, Sitzungsprotokolle und E-Mail-Texte mit einem Projektor an die Wand werfen. Immer wieder hielt er Schrempp vor, Versprechungen, dass Chrysler und Daimler-Benz zu gleichen Teilen im neuen Management vertreten sein würden, seien nicht eingehalten worden.

"Zum Zeitpunkt der Fusion wurde alles wie in den Verträgen vorgesehen umgesetzt", erklärte Schrempp. Es müsse allen klar gewesen sein, dass die ursprüngliche Abmachung einer nahezu paritätischen Besetzung des Vorstandes nicht ewig aufrechterhalten werden konnten. "Es handelt sich um ein großes Unternehmen. Wir schauen uns den Vorstand nicht unter dem Gesichtspunkt von Nationalitäten an", sagte Schrempp. Im neuen DaimlerChrysler-Vorstand ist demnächst nur noch ein Amerikaner vertreten.

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