»Geht es noch geschmackloser?« KFC bedauert Hähnchen-Werbung am Jahrestag der Reichspogromnacht

»Gedenktag an die Reichspogromnacht – Gönn dir ruhig mehr zarten Cheese zum knusprigen Chicken«: Kunden der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken reagierten entsetzt auf diese Werbenachricht. Die Firma bat um Entschuldigung.
Hinweisschild einer Filiale der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC)

Hinweisschild einer Filiale der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC)

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Oliver Berg / picture alliance / dpa

Die amerikanische Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) hat mit einer Werbebotschaft in Deutschland für Empörung gesorgt. Am 9. November – dem Jahrestag der nationalsozialistischen Reichspogromnacht von 1938 – verschickte der Konzern eine Nachricht an seine App-Nutzer, die mit dem Titel »Gedenktag an die Reichspogromnacht« überschrieben war. Darin lud KFC seine Kundinnen und Kunden dazu ein, sich »zarten Cheese zum knusprigen Chicken« zu gönnen. Wenig später entschuldigte sich der Konzern ebenfalls via App für die »inkorrekte« und »nicht angemessene« Nachricht.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter stießen die Benachrichtigungen auf scharfe Kritik. Screenshots von der Werbeaktion wurden hundertfach geteilt. »Geht es noch geschmackloser?«, beschwerte sich etwa ein User und kündigte an, die KFC-App zu löschen. Dalia Grinfeld, stellvertretende Direktorin für Europa-Angelegenheiten der jüdisch-amerikanischen Organisation »Anti-Defamation League«, rief KFC auf, sich zu schämen.

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Gegenüber dem »Stern« teilte KFC Deutschland mit, dass es sich bei der Werbeaktion um eine automatisierte Push-Benachrichtigung gehandelt habe. Diese würden auf Grundlage eines Kalenders erstellt, in dem Feier-, Gedenk- und Aktionstage gespeichert seien. »In diesem Einzelfall wurde unser interner Überprüfungsprozess nicht ordnungsgemäß eingehalten. Das führte dazu, dass versehentlich diese nicht autorisierte Meldung verbreitet wurde«, teilte KFC demnach mit. Die App-Kommunikation sei daraufhin sofort eingestellt worden.

Bombendrohung gegen jüdische Gemeinde in Flensburg

Neben zahlreichen bundesweiten Gedenkveranstaltungen hatte es am 84. Jahrestag der Reichspogromnacht eine Bombendrohung gegen die jüdische Gemeinde in Flensburg gegeben. Die Synagoge wurde geräumt, dort aber nichts Gefährliches gefunden, wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Zunächst hatte das »Flensburger Tageblatt«  berichtet. Die Bombendrohung sei am Nachmittag bei der Polizei eingegangen, sagte der Sprecher. Die Polizei sei darauf mit starken Kräften angerückt. »Jetzt laufen die Ermittlungen.«

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte geplündert und Jüdinnen und Juden drangsaliert, verhaftet oder ermordet.

atb/dpa
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