Kienbaum-Studie "Aufsichtsräte bekommen zu wenig Geld"

Sind 19.100 Euro genug für ein Aufsichtsratsmitglied? Die Managementberatung Kienbaum sagt nein: In einer Studie fordern die Autoren, Deutschlands Unternehmenskontrolleure müssten mehr verdienen - sonst gebe es bald niemanden mehr, der die Arbeit professionell mache.


Gummersbach - Die Bezüge der Aufsichtsräte in Deutschland stagnieren laut einer Studie der Managementberatung Kienbaum. Die Bezahlung werde den gestiegenen Anforderungen damit nicht mehr gerecht.

Im Durchschnitt habe ein Aufsichtsratsmitglied im Geschäftsjahr 2007 rund 19.100 Euro erhalten. Die Arbeit von gut einem Viertel der Kontrolleure werde mit weniger als 5000 Euro brutto vergütet, rund die Hälfte erhalte nicht mehr als 10.000 Euro jährlich. Mehr als 40.000 Euro zahlten nur elf Prozent der Unternehmen. Das ergab die Kienbaum-Aufsichtsratsstudie 2007/08 auf Basis von knapp 1700 Unternehmen, die am Mittwoch in Gummersbach veröffentlicht wurde.

Die höchsten Gesamtbezüge erhielten Aufsichtsräte in Dax-Konzernen: 117.000 Euro jährlich wurden dort im Schnitt gezahlt. Nicht börsennotierte Unternehmen vergüteten die Tätigkeit ihrer Aufsichtsräte mit lediglich 12.000 Euro jährlich. Mehr als 300.000 Euro zahlte die Deutsche Bank jedem ihrer 20 Aufsichtsratsmitglieder im Jahr - damit ist sie Spitzenreiter im Dax.

Insgesamt werde die Vergütung dem Wandel der Tätigkeit in den vergangenen Jahren nicht gerecht, heißt es in der Studie. Von einzelnen Mitgliedern würden immer mehr Kenntnisse und Fähigkeiten gefordert. Wer für sein Unternehmen professionelle Kontrolleure haben möchte, müsse diese auch entsprechend bezahlen. Eine stärkere Erfolgsabhängigkeit sei bei der Vorstandsvergütung der richtige Weg, bei den Aufsichtsräten führe sie aber in die Irre, da es hier um Kontrolle und nicht um operative Unternehmensführung gehe.

wal/dpa



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