Kinderbetreuung Gute Geschäfte mit der Kita-GmbH

Sie sind rar, begehrt und lange im Voraus vergeben: Für den Platz in einer Kita zahlen gutbetuchte Eltern schon mal 1000 Euro. Seit kurzem sind deshalb auch bundesweite Anbieter auf dem Markt - dass es sich lohnt, zeigen die "Little Giants" in Stuttgart.

Von , Stuttgart


Stuttgart - "Aha, Sie machen jetzt also einen auf Kindergärtnerin?", so lautete die etwas abfällige Frage des Patentanwalts. Und das, obwohl er wusste, wer vor ihm saß: Jelena Wahler, studierte Bauingenieurin mit MBA und seit Jahren als Unternehmensberaterin tätig. Mitgebracht hatte sie eine Marktanalyse, ein Finanzierungskonzept und einen ausgefeilten Businessplan. Und vor allem: eine unerschütterliche Überzeugung, die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt zu haben.

Kita-Gründer Peter und Jelena Wahler: "Kein elitäres Produkt"
Giant Leap

Kita-Gründer Peter und Jelena Wahler: "Kein elitäres Produkt"

Wahler hat sich nicht abschrecken lassen, gemeinsam mit ihrem Mann Peter hat sie die Giant Leap GmbH gegründet, ein Unternehmen, das unter dem Namen "Little Giants" qualitativ hochwertige Ganztageskinderbetreuung anbietet. Seit September toben die ersten 30 Kinder im Alter von sieben Monaten bis drei Jahren durch die hellen Räume im Stuttgarter Zentrum. Im Sommer wird außerdem der Kindergarten für die Kinder ab drei Jahren in Stuttgart mit 32 Plätzen eröffnet, dazu kommen zwei Kita-Filialen in München und Frankfurt, in zwei weiteren Städten laufen die Vorbereitungen. In den nächsten zwei Jahren soll ein bundesweites Netz entstehen - teils selbst betrieben, teils durch ein Franchisesystem.

Seit Jahren wird in Deutschland darüber geklagt, dass es zu wenige Betreuungsmöglichkeiten gerade für kleine Kinder gibt. Trotzdem sind in dieser Zeit kaum nennenswerte Fortschritte gemacht worden - und das, obwohl immer mehr Eltern bereit sind, für gute Betreuung viel Geld zu bezahlen. Nach wie vor werden Kinderkrippen vor allem von kirchlichen oder öffentlichen Trägern betrieben, die alle eines verbindet: Sie sind gemeinnützig. Der Markt für gewerbliche Kinderbetreuung ist - trotz eines riesigen Bedarfs - mehr als überschaubar. In der ganzen Bundesrepublik gibt es nur zwei, drei ernstzunehmende Anbieter.

"Genaue, amtliche und für Gesamtdeutschland repräsentative Zahlen über privat-gewerbliche Kitas und Kindergärten gibt es derzeit noch nicht", sagt Katharina Spieß, Bildungsökonomin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professorin an der FU Berlin. "Dass es bislang aber tatsächlich wenig privat-gewerbliche Anbieter gibt, hängt auch mit der Gesetzgebung bis 2005 zusammen. Bis dahin haben gewerbliche Kitas grundsätzlich keine staatliche Förderung bekommen - weshalb es sich nur in Einzelfällen gelohnt hat."

Das hat sich mit einem Gesetz geändert, das den sperrigen Namen "Tagesbetreuungsausbaugesetz" trägt, kurz TAG. Es ist im Januar 2005 in Kraft getreten und hatte zum Ziel, bis 2010 rund 230.000 neue Krippenplätze zu schaffen. Außerdem dürfen die Bundesländer dadurch inzwischen selbst entscheiden, ob und wie sie Kitaanbieter fördern - und bei öffentlicher Unterstützung wird das Betreiben einer Kita ökonomisch interessant.

In den USA längst gängiges Geschäftsmodell

Dass die Wahlers sich ausgerechnet mit Kinderbetreuung selbständig gemacht haben, war trotzdem eher Zufall: Während des Studiums in den USA war die Tochter in einer privaten Krippe - ein Geschäftsmodell, das dort längst etabliert ist, einige Anbieter sind sogar börsennotiert. Weil die Leiterin für einige Zeit ausfiel, haben die Wahlers neben dem Studium für ein dreiviertel Jahr die Führung der Krippe übernommen.

Zurück in Deutschland kamen die Wahlers mit dem deutschen System der Kinderbetreuung erst wieder in Berührung, als sie vor knapp drei Jahren noch einen Sohn bekamen. "Da wurden wir damit konfrontiert, wie schwierig es in Deutschland für berufstätige Eltern ist, wenn sie weiter arbeiten und eine qualitativ hochwertige Betreuung für ihre Kinder wollen", sagt Jelena Wahler. In Stuttgart gibt es derzeit nur für jedes fünfte Kind einen Krippenplatz, Bedarf gäbe es nach Schätzungen des Jugendamtes etwa für jedes zweite. Zu dem unzureichenden Angebot kommt die Qualität der Betreuung: "Unsere Tochter kam nach wenigen Wochen gelangweilt aus ihrem deutschen Kindergarten zurück. In den USA legen sie mehr Wert auf vorschulisches Lernen und fordern die Kinder viel mehr."

Aus einer vagen Idee wurde deshalb erst ein Plan, dann ein Konzept und schließlich ein Projekt, für das beide ihre eigentlichen Jobs aufgaben: Eine pädagogisch anspruchsvolle Kinderbetreuung, mit hohen qualitativen Ansprüchen, zweisprachigen Erzieherinnen und zeitlich flexiblen Öffnungszeiten. Von morgens sieben bis abends um 18.30 Uhr werden die Kinder betreut - bei Bedarf bleiben die Erzieherinnen auch mal länger.

Das hat allerdings seinen Preis: Wer sein Kind bei den "Little Giants" anmeldet, zahlt zwischen 980 und 1090 Euro pro Monat, je nach Alter. Trotzdem erreichen die Wahlers täglich rund 20 E-Mails mit Anfragen, dabei sind die Plätze in der Stuttgarter Kita schon lange vergeben. In München ist der Ansturm auf die künftige Kita sogar noch größer.



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