Kinowelt in der Krise ZDF könnte Millionen-Deal kippen

Die Aktie des Filmrechtehändlers Kinowelt ist eingebrochen, weil sein wichtigstes Geschäft der vergangenen Monate zu platzen droht. Das ZDF will 40 Filme für 40 Millionen Mark offenbar doch nicht.


Kinowelt im Überlebenskampf: Verhindern die Banken den Konkurs?

Kinowelt im Überlebenskampf: Verhindern die Banken den Konkurs?

München - Wie die "Welt" am Dienstag berichtet, ist das Mitte Juni vereinbarte Geschäft immer noch nicht rechtskräftig abgeschlossen, jetzt drohe die Mainzer TV-Anstalt mit dem Ausstieg und habe Kinowelt ein Ultimatum gestellt. Nach diesen Meldungen verlor die Kinowelt-Aktie am frühen Nachmittag im Xetra-Handel über 12 Prozent und notierte bei 0,49 Euro.

Das ZDF verlange bis Ende der nächsten Woche Klarheit über das Geschäft, so der Bericht. Der Sender wolle die betroffenen Blockbuster wie "Matrix", "Pokémon" und "Deep Blue Sea" ab 2002 ausstrahlen und müsse schnell mit der Programmplanung beginnen. Bisher habe die Kinowelt AG aber nicht nachgewiesen, dass sie die versprochenen Filme tatsächlich liefern könne, schreibt die "Welt" unter Berufung auf den ZDF-Programmdirektor Markus Schächter. Der Sender erwäge, sich nach neuen Angeboten umzusehen.

Verhängnisvolle Folgen

Die Kinowelt AG wollte zu dem Bericht keine Stellungnahme abgeben. Eine Sprecherin betonte aber, der genannte Preis für das Filmpaket sei unzutreffend.

Wenn das ZDF sich tatsächlich zurückzieht, könnte das für die Kinowelt AG verhängnisvolle Folgen haben. Das Unternehmen selbst hatte schon in seinem Halbjahresbericht Ende August eingeräumt, dass sein Übeleben derzeit nicht sicher gestellt sei. In den ersten sechs Monaten war ein Verlust vor Steuern und Zinsen in Höhe von 161,9 Millionen Euro angefallen.

Am Montag hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, der einstige Börsenstar verhandle mit dem Hollywood-Studio Warner Brothers über die Rückgabe eines Filmpaketes im Wert von 500 Millionen Mark. Kinowelt wolle lediglich die für ARD und ZDF vorgesehenen Filme behalten. Ob sich Warner auf die Rücknahme einlasse, sei aber noch offen.

Auch ein Geschäft mit der ARD platzte

Dieses Filmpaket gilt als wichtigste Ursache der Kinowelt-Krise. Der Rechtehändler hatte es vor zwei Jahren für 560 Millionen Mark erworben und blieb dann darauf sitzen. Erhoffte Verkäufe an Kirch und Bertelsmann kamen nicht zustande. Auch ein Geschäft mit der ARD kam vor kurzem nicht zustande. Die öffentlich-rechtliche Anstalt wollte 158 Kinowerke für rund 75 Millionen Mark erwerben, 50 Millionen Mark sollten bis Mitte Oktober fällig sein.

Laut früheren Berichten der "Süddeutschen" scheiterte dieses Geschäft, weil die BHF-Bank, bisher einer der Hauptgeldgeber der Kinowelt, einer nötigen Umschuldung nicht zustimmten. Branchenbeobachter glauben nun, die Kinowelt in Konkurs gehen wird, falls sich BHF, die Bayerische Landesbank und die Hypo-Vereinsbank sich nicht zur Rettung entschließen.

Bisher scheinen die Banken Kinowelt aber nicht ganz abgeschrieben zu haben. Laut Presseberichten übernahm BHF in der vergangenen Woche Mietrückstände für den Kinowelt-Sitz in München.



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