Kirch ohne Leo Springer-Verlag soll einsteigen

Presseberichten zufolge legen Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi den Banken heute ein Übernahmekonzept für die angeschlagene KirchGruppe vor. Außerdem soll es Überlegungen geben, den Axel Springer Verlag als "nationale Beimischung" mit ins Boot zu holen.


Kirch-Gruppe: Springer-Beteiligung als "nationale Beimischung"?
AP

Kirch-Gruppe: Springer-Beteiligung als "nationale Beimischung"?

London - Im Zuge der geplanten Neuordnung des Gesellschafterkreises bei der Mediengruppe KirchMedia haben Investoren nach Informationen der "Financial Times" (FT) dem Axel Springer Verlag eine Beteiligung angeboten.

Der Verlag prüfe den Vorschlag, einen Teil seiner Forderungen gegenüber Kirch in Höhe von 767 Millionen Euro gegen eine Minderheitsbeteiligung bei KirchMedia einzusetzen, berichtete die Finanzzeitung in ihrer Donnerstagausgabe. Mit einer Beteiligung von Springer könnten auch Sorgen in der Politik beseitigt werden, KirchMedia gerate in ausländische Hände, hieß es weiter.

Übernahmekonzept wird angeblich heute vorgelegt

Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge wollen die potenziellen Investoren Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi heute den Banken ein Übernahmekonzept vorlegen. Seit Tagen verhandeln die vier Gläubigerbanken Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Commerzbank mit den Kirch-Minderheitsgesellschaftern um den australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch und der italienischen Mediaset über die zukünftige Kontrolle der Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft KirchMedia.

Bisher gilt es als wahrscheinlich, dass die Gesellschafter im Zuge einer Kapitalerhöhung die Mehrheit an KirchMedia übernehmen, die Banken aber mit mindestens 25 Prozent bei der Filmgesellschaft einsteigen. Strittig scheint vor allem ein Überbrückungskredit von etwa 200 Millionen Euro, den die KirchGruppe angeblich benötigt, um in den kommenden Wochen die Geschäfte fortführen zu können. Berlusconi und Murdoch wollen sich Medienberichten zufolge nicht an einem Kredit beteiligen, sondern spekulieren anscheinend darauf, dass die Banken Geld nachschießen, um eine Insolvenz Kirchs zu verhindern.

Leo zieht sich komplett zurück

Firmengründer Leo Kirch ist nach Angaben aus ihm nahe stehenden Kreisen bereit, sich aus KirchMedia vollständig zurückzuziehen, fordert dafür aber den Löwenanteil der Verwertungserlöse für die Fußball WM 2006 in Deutschland.

Auch das "Handelsblatt" berichtet in seiner Donnerstagsausgabe, Kirch habe kein Interesse an einer Minderheitsposition. Derzeit würden Gespräche darüber geführt, wie der 75-Jährige entschädigt werden könnte. Noch hält der Gründer mit seinem Sohn Thomas 80 Prozent an seiner Kernfirma. Sollte es zu der geplanten Kapitalerhöhung von bis zu 800 Millionen Euro kommen, sinke Kirchs Anteil auf unter 50 Prozent.



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