Kirch und die Bundesliga Milliarden-Deal mit dem Ungenannten

Fünf Jahre nach Kirchs Riesenpleite lässt sich die Fußball-Bundesliga wieder auf den Medienunternehmer ein. Nach stundenlanger Debatte erläuterte die DFL, wie sie sich die Vermarktung der Fußball-TV-Rechte vorstellt. Den Namen Kirch erwähnten die Funktionäre vorsichtshalber nicht.

Frankfurt am Main - Es waren spannende Szenen, die sich da auf den Fluren des herrschaftlichen Hotels "Frankfurter Hof" abspielten. Immer wieder tauchten Grüppchen debattierender Fußball-Manager auf. Sie stritten, diskutierten, es waren Wortfetzen zu vernehmen wie "historische Sitzung" und "die haben tatsächlich geglaubt, das werde einfach so abgewinkt".

Mit "die" waren die Deutsche Fußball Liga (DFL) und ihre wichtigsten Funktionäre Reinhard Rauball, Präsident, und Christian Seifert, Geschäftsführer, gemeint. Die beiden hatten ein Konzept ausgeheckt, das dem einstigen Medienmogul Leo Kirch den Weg zurück ins große Geschäft mit den Fußballrechten ebnen und die 36 Profi-Clubs mit einem warmen Geldregen beglücken sollte.

Und irgendwann, sechs Stunden später als erwartet, hatte das Geld obsiegt gegenüber allen Vorbehalten, die mit dem Namen Kirch in Verbindung stehen.

Und so sieht sie aus, die Zukunft des deutschen Fernsehfußballs: Die DFL überlässt die Rechte an der Berichterstattung einer Firma namens Sirius, deren einziger Gesellschafter die Firma KF 15 ist. Hinter diesem Unternehmen stecken Leo Kirch und sein Adlatus Thomas Hahn. Die Sirius garantiert der DFL drei Milliarden Euro für sechs Jahre, was einer Einnahmesteigerung von rund 20 Prozent entspricht.

Free-TV Sender werden wie bisher um die Ausstrahlung der Bilder bieten können, die Pay-TV-Anbieter müssen sich hingegen künftig um den Erwerb eines fertig produzierten Produktes bewerben. Es werden komplette Beiträge, kommentierte Live-Spiele und fertige Interviews angeboten. Hergestellt werden diese Inhalte von einer noch zu gründenden Gesellschaft, an der die DFL 49 Prozent hält und die Sirius 51 Prozent.

Bankbürgschaft liegt noch nicht vor

Dieses Konzept werde die Einstiegschwelle für Konkurrenten des Pay-TV Marktführers Premiere senken, erläuterte Hahn, der Geschäftsführer der KF 15, der seit vielen Jahren als Lieblings-Manager Kirchs gilt, in einem vom Blatt gelesenen Vortrag. Und diese von der DFL produzierten Berichte können dann auch von Online-Anbietern, "die oftmals nicht über die journalistische Kompetenz verfügen, selber ein qualitativ hochwertiges Angebot herzustellen" (Hahn), erworben werden. Über diese neue Konzeption des Medienproduktes Bundesliga wie auch über eine bessere Auslandsvermarktung sollen sich die enormen Investitionen der Sirius refinanzieren lassen.

Für Seifert, der wochenlang an dem Deal feilte, ist der Abschluss ein großer Erfolg. Er versprach den Clubs "Wachstum und erhöhte Planungssicherheit", verkündete, man werde den Wert der "Marke Bundesliga massiv steigern", und behauptete: "Die Bundesliga verfügt damit über die größte finanzielle Absicherung, die es je gab." Denn Kirchs KF 15 müsse die vereinbarten Zahlungen jeweils am 1. Januar über die Bürgschaft eines anerkannten Instituts absichern. Doch noch liegt eine solche Bürgschaft nicht vor.

Was feierlich verkündet wurde, birgt also durchaus noch Unsicherheiten. Nicht umsonst enthielt sich ein Viertel der Liga-Vertreter, als im Festsaal abgestimmt wurde. Und einer stimmte gar dagegen: Bernd Hoffmann vom Hamburger SV. Natürlich ist das Unbehagen über die Rückkehr Kirchs ein wichtiger Faktor in diesem Abstimmungsverhalten gewesen, doch offenbar sind die Verdrängungsmechanismen in der Liga intakt.

DFL-Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Seifert gelang bei ihrer Präsentation des Projektes vor der Presse gar das kleine Meisterstück, kein einziges mal den Namen Leo Kirch in den Mund zu nehmen. Angesprochen auf diesen merkwürdigen Sachverhalt antwortete Seifert: "Man muss sachliche Argumente von emotionalen Argumenten trennen", und Kirch liege "im emotionalen Bereich".

Sorge vor Verlust der journalistischen Unabhängigkeit

Ähnlich äußerten sich auch die Bundesliga-Manager. Rolf Dohmen, der Geschäftsführer des Karlsruher SC, meinte, "man muss nach vorne und nicht zurück schauen". Und Andreas Rettig, Vorstandsmitglied der DFL, erklärte: "Natürlich haben wir kein Kurzzeitgedächtnis, aber es ist auch nicht alles schlecht, was Herr Kirch gemacht hat. Und hier geht es nicht um eine Person, sondern um ein neues Geschäftsmodell, das den meisten Vereinen mittelfristig die größte Planungssicherheit gibt."

Ein weiterer Kritikpunkt an dem neuen Konzept fußt auf der Befürchtung, dass ein Teil der journalistischen Unabhängigkeit durch die eigene Produktion der DFL verloren geht. Premiere kündigte schon an, die Konserven des Ligaverbandes nicht kaufen zu wollen. Natürlich steht es dem Sieger im Bieterverfahren am Ende frei, zusätzlich zu den vorproduzierten Angeboten eigene Interviews oder Beiträge herzustellen, aber das ist teuer. Eine Plattform, auf der nur DFL-Inhalte ausgestrahlt werden, wäre im Prozess des Bietens also erstmal besser gestellt – auf Kosten der journalistischen Qualität.

Aber nicht nur deshalb droht sich die Situation für die Fans ab 2009 zu verschlechtern. Denn sehr wahrscheinlich wird es am Samstagabend erst erheblich später Bilder von der Bundesliga im Free-TV geben. Seifert sagte, diese Befürchtung könne er "leider nicht zerstreuen".

Da die drei Milliarden Euro refinanziert werden müssen und die zeitnahen Bilder im Free-TV schon lange als größter Hemmfaktor für das Erzielen höherer Erträge im Pay-TV-Markt gelten, wird die Sportschau in ihrer heutigen Form wohl kippen. Aber das sind eben die kleinen Nebenwirkungen, mit denen man rechnen muss, wenn Sirius, der hellste Stern am Himmel, auftaucht, und das große Geld verspricht.

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