KirchMedia Peanuts für den Verkauf

Die 500 Gläubiger der KirchMedia werden voraussichtlich den Großteil ihres Geldes nie wiedersehen. Denn die Konsortien, die am Kauf des Unternehmens interessiert sind, wollen dafür offenbar nur Discount-Preise zahlen.


KirchMedia-Firmengelände: Hoffnungen der Geschäftsführung auf ein Wettbieten könnten sich als übertrieben optimistisch erweisen
DPA

KirchMedia-Firmengelände: Hoffnungen der Geschäftsführung auf ein Wettbieten könnten sich als übertrieben optimistisch erweisen

München/Hamburg - Das Missverhältnis ist enorm: Die Gläubiger des Rechte- und TV-Unternehmens haben nach den Worten des Insolvenzverwalters Forderungen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro geltend gemacht. Der Verkauf der KirchMedia aber könnte, so scheint es nach Abgabe der ersten Gebote, nur zwei Milliarden Euro oder weniger einbringen. Nach der Gläubigerversammlung hatte die KirchMedia-Geschäftsführung am vergangenen Donnerstag noch gesagt, man gehe davon aus, dass es zu einem Wettbieten komme und der Kaufpreis letztlich über 2,6 Milliarden Euro liegen werde.

Das Konsortium um die Hamburger Verlage Springer, Bauer, den SPIEGEL sowie die HypoVereinsbank (HVB), das bislang als die aussichtsreichste Bietergruppe gehandelt wurde, soll nach Informationen der "Financial Times Deutschland" ("FTD") aber nur 1,4 Milliarden Euro angeboten haben. In Berichten am Wochenende war das Gebot mit 1,9 Milliarden Euro beziffert worden. Der Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags, Karl Dietrich Seikel, sagte zu den Berichten auf Nachfrage, die beiden genannten Summen seien falsch - zur Höhe des Angebots äußere er sich aber nicht. Die meisten anderen der insgesamt sieben Gebote liegen nach Medienberichten um die zwei Milliarden Euro. So soll der französische Sender TF1 eine Offerte von 2,2 Milliarden abgegeben haben.

Der US-Milliardär Haim Saban hat mit 2,6 Milliarden Euro übereinstimmenden Berichten zufolge zwar das höchste Gebot eingereicht. An der Seriosität dieses Angebots wurden aber in verschiedenen Medienberichten Zweifel geäußert. In der "FTD" heißt es, Saban interessiere sich nur für eine Minderheitsbeteiligung von unter 25 Prozent. Er sei offenbar bereit, sich mit anderen Bietern zusammenzuschließen und habe bereits Kontakt mit den Verlagschefs Heinrich Bauer und Mathias Döpfner (Axel Springer Verlag) aufgenommen.

Der "FTD" zufolge sinken die Chancen des Verlags-HVB-Konsortiums, in die Runde der letzten Drei zu kommen. Sie sollen im Rahmen einer "Due Diligence" Einblick in die Bücher der KirchMedia erhalten. Die KirchMedia-Verkäufer wollen dem Bericht zufolge am Mittwoch entscheiden, welche Konsortien zugelassen werden. Das einzige Kriterium für die Auswahl sei der Preis. Aus Kreisen das Verlags-HVB-Konsortiums heiße es, man werde das Gebot keinesfalls erhöhen. Gegen Springer, Bauer und HVB könnte auch sprechen, dass sie offenbar nur die Filmrechte und die TV-Beteiligungen der KirchMedia übernehmen wollen, nicht aber die Sportrechte. Das Übergangsmanagement strebt nach eigenen Worten an, die KirchMedia möglichst in einem Stück zu verkaufen.

Auch andere Bieter haben sich offenbar die Möglichkeit offengelassen, einen Rückzieher zu machen. Das US-Filmstudio Columbia-TriStar, das Sony gehört, und der Partner Commerzbank wollen zunächst einen Blick in die KirchMedia-Bücher werfen, und dann entscheiden, ob sie ihr Angebot zurücknehmen. Hinzu kommt offenbar, dass Columbia laut "FTD" ebenfalls nur eine Beteiligung von 10 bis 15 Prozent an KirchMedia anstrebt.



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