Kirchs Schuldenkrimi Neue Großgläubiger aufgetaucht

Hiobs- und Hoffnungsbotschaften aus dem Schuldenreich Leo Kirchs wechseln sich im Sturmtempo ab. Der Medienzar steht bei mehr Banken mit dreistelligen Millionenkrediten in der Kreide als bisher bekannt. Das Milliardengebot der HypoVereinsbank für Kirchs Springer-Aktien war aber wohl nicht das letzte.


Medienpatriarch Kirch: Meister des Schuldenmachens und des Überraschungseffektes
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Medienpatriarch Kirch: Meister des Schuldenmachens und des Überraschungseffektes

München/Frankfurt am Main - Bisher hatte die Commerzbank stets bestritten, bei Kirch nennenswert engagiert zu sein. Tatsächlich habe die Bank dem Münchner Unternehmer aber 300 Millionen Euro Kredit eingeräumt, berichtet nun das "Handelsblatt". Auch die DZ Bank habe ihm 400 Millionen Euro geliehen, von denen öffentlich bisher nichts bekannt gewesen sei. Auch Lehman Brothers sei mit Krediten in Höhe von 250 Millionen Euro weitaus höher engagiert als zuvor angenommen.

Offenbar haben die Kirch-Skeptiker der Deutschen Bank und Kirch selbst derweil konkurrierende Gläubiger-Gipfeln einberufen. Bei Kirchs Treffen, zu dem der Unternehmer nach Berichten des "Wall Street Journal" wie auch die Deutsche Bank für Mittwoch eingeladen hat, sollen aber hochrangigere Gäste zugegen sein - ein Indiz dafür, dass eine von der Deutschen Bank favorisierte Aufteilung des Kirch-Imperiums erst einmal vom Tisch ist.

Derzeit spricht einiges dafür, dass ein Bietergefecht um Kirchs 40-prozentigen Anteil am Axel Springer Verlag ausbricht. Für ihn hat bisher die HypoVereinsbank 1,1 Milliarden Euro geboten. Die "Financial Times Deutschland" berichtet, die Dresdner Bank plane eine Gegenofferte und wolle die Bayern übertrumpfen. Nach "Handelsblatt"-Informationen sollen auch Credit Suisse First Boston und JP Morgan Chase zu Geboten bereit sein, ebenso wie DB Investor, eine Tochter der Deutschen Bank. Letztere gilt aber auf Grund des Kirch-feindlichen Kurses von Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer als aussichtsloser Kandidat.

Mehr finanziellen Spielraum dürfte Kirch schließlich gewinnen, wenn der Mediaset-Konzern der italienischen Berlusconi-Familie Kirch einen Teil seiner Anteile am spanischen TV-Sender Telecinco abnimmt. Das Geschäft stehe vermutlich kurz vor der Vollendung, hieß es aus Berlusconi-Konzern. Wegen der strikten spanischen Gesetze, die eine Mehrheitseignerschaft von Ausländern an Fernsehkanälen verbieten, können die Berlusconis ihren Anteil nur von 40 Prozent auf 49 Prozent aufstocken, einen weiteren Teil des 25-prozentigen Kirch-Anteils an Telecinco könnte aber spanische Correo-Gruppe übernehmen. Telecinco gilt als profitabelster Fernsehkanal Europas; Kirchs Anteil ist vermutlich 400 bis 500 Millionen Euro wert.



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