Kirchs Weggefährten Vorhang zu für Kogel

Fred Kogel, bekannt als bunter Vogel, Multitalent und gewiefter Manager, hat ein Problem: Er war Offizier auf einem sinkenden Schiff namens KirchGruppe – solch eine Ausgangsposition hat noch selten eine Karriere gefördert.

Von


Fred Kogel: Kritiker sagen, er habe nirgendwo nennenswert Spuren hinterlassen
[M] DDP;SPIEGEL ONLINE

Fred Kogel: Kritiker sagen, er habe nirgendwo nennenswert Spuren hinterlassen

München - Was die Anzahl der verlorenen Posten angeht, hält Kirch-Manager Fred Kogel den Rekord in der Runde der Geschassten und Gescheiterten. Exakt 26 Management-Posten und drei Aufsichtsratssitze hat der 41-Jährige in der kollabierten KirchGruppe inne gehabt. Bis zum Jahresende wollte er einen nach dem anderen davon abgeben – auf eigenem Wunsch. Nach einem Jahr Insolvenz-Management bei Kirch sei er ausgebrannt, sagt Kogel.

Verglichen mit Missmanagern vom Schlage eines Lederer, von Gablenz oder Folgmann, spielt Kogel allerdings in einer anderen Liga. Bis zuletzt rackerte er unermüdlich, um die Hollywood-Studios dazu zu bewegen, ihre knallharten Bedingungen für Film-Lizenzen ein wenig zu lockern. Mit Erfolg: Gerade hat er einen Deal mit Disney abgeschlossen. Verträge mit Columbia und Paramount sollen unterschriftsreif sein.

Immer raus gehalten

Hinzu kommt die Gnade des späten Einstiegs. Weil Kogel erst 2001 zu KirchMedia kam, steht er als einziger der Kirch-Manager ohne den Makel da, das Filmhandelshaus in die Pleite geführt zu haben. Wenn es um In-sich-Geschäfte und andere krumme Konstruktionen ging, habe er sich immer raus gehalten, heißt es. Außerdem habe er mehr getan, um Licht ins Dunkel des verschachtelten Medien-Konzerns zu bringen, als alle Insolvenz-Verwalter zusammen.

Klar, dass er diejenigen überrundet, die nicht vom Fach kommen. Immerhin ist Kogel seit zwanzig Jahren im Geschäft.

Mit fünfundzwanzig begann er seine Laufbahn als Assistent des Filmproduzenten Bernd Eichinger, als Dreiunddreißigjähriger stieg er zum Unterhaltungschef beim ZDF auf, zwei Jahre darauf, 1995, wurde er Geschäftsführer bei SAT.1.

Seine Bewunderer sehen in dem Stakkato seiner Karriere den Beleg für seine Talente. Seine Kritiker sagen ihm nach, er habe noch bei keiner seiner Stationen nennenswerte Spuren hinterlassen.

30 Minuten täglich nachdenken

Bei der KirchGruppe hätte er länger bleiben wollen, daraus hat Kogel nie einen Hehl gemacht. Aber unter einer Bedingung: Wenn, dann als Nummer eins - oder gar nicht. Noch im September konnte er sich Hoffnungen machen, kurzfristig ProSiebenSAT.1-Chef Urs Rohner abzulösen. Doch dann entschieden die Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems anders: Erst solle der Verkauf der KirchMedia mit ProSiebenSAT.1 an den Bauer Verlag abgewickelt werden. Der sieht sich längst nach Chefkandidaten um - Kogels Name fiel bislang nicht.

Wie es weitergeht, will Kogel keinesfalls vor dem Jahreswechsel entscheiden. Überlegungen gebe es natürlich, eine halbe Stunde pro Tag habe er noch zum Nachdenken, ließ Kogel einen Journalisten wissen.

Möglich, dass er sich in Zukunft stärker bei der die Show-Produktionsfirma KirchMedia Entertainment (KME) engagiert, die er selbst mit aufgebaut hat. Einen Anteil von 26 Prozent hält er bereits. Allerdings gehört die KME, die sich nach Anfangsproblemen gut entwickelt hat, zu dem Paket, das an Bauer gehen soll. Aber, wie gesagt, entschieden ist noch nichts.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.