Klage gegen Hamburger Sparkasse Prozess von Lehman-Opfer ohne gütliche Einigung

Ein 64-jähriger Pensionär streitet vor Gericht mit der Hamburger Sparkasse: In dem Prozess um Schadensersatz für Lehman-Zertifikate einigten sich die Parteien nicht auf eine Entschädigung. Jetzt droht ein langwieriges Verfahren.


Hamburg - Bernd Krupsky ist seit 40 Jahren Kunde bei der Hamburger Sparkasse (Haspa). Seit Dienstag verklagt der 64 Jahre alte pensionierte Lehrer seine Bank auf Schadenersatz. Diese hatte ihm im Dezember 2006 Lehman-Zertifikate im Wert von 10.000 Euro verkauft, die heute wertlos sind. Nach Meinung des Anwalts des Klägers hat die Bank dabei ihre Beratungspflichten verletzt.

Kläger Krupsky: Sein Anwalt wirft der Haspa Verletzung der Beratungspflicht vor
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Kläger Krupsky: Sein Anwalt wirft der Haspa Verletzung der Beratungspflicht vor

Es ist der erste Hamburger Prozess um Schadensersatz für einen Käufer von Zertifikaten der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers. Zum Verfahrensauftakt konnten sich beide Konfliktparteien am Dienstag nicht auf einen Vergleich einigen. Das Gericht eröffnete daraufhin die mündliche Verhandlung.

Krupsky fühlt sich getäuscht, wenn er an das Beratungsgespräch zurückdenkt, bei dem ihm eine junge Haspa-Mitarbeiterin im Dezember 2006 zum Kauf von Lehman-Zertifikaten riet. "Natürlich hat man sich auch überreden lassen", räumt der Kläger ein. Hätte die Beraterin ihn allerdings ehrlich über sämtliche Risiken aufgeklärt, "dann hätte ich garantiert nicht gekauft", sagt er.

Der Verteidiger der Haspa wies den Vorwurf zurück, das Kreditinstitut habe seine Aufsichtspflicht verletzt. Eine Bank müsse ihre Kunden nicht über "allgemeine wirtschaftliche Eigeninteressen" aufklären.

Unabhängig von etwaigen Prozessen entschädigte die Haspa bislang tausend Lehman-Opfer. Bereits im vergangenen November war erstmals ein Privatanleger vor das Frankfurter Landgericht gezogen. Er scheiterte damals mit seiner Klage gegen die Sparkasse Frankfurt (Fraspa), da dem Gericht zufolge kein Beratungsfehler vorlag. Nach dem Vorbild der Haspa hatte aber auch die Fraspa verschiedenen Anlegern Entschädigungen für ihre wertlosen Zertifikate gezahlt, zugleich aber keine Beratungsfehler eingeräumt.

Das Landgericht setzte einen Entscheidungstermin für den 12. Mai an. Allerdings wird es nach Angaben des Richters dann noch kein Urteil geben. Einer Gerichtssprecherin zufolge sind in Hamburg derzeit insgesamt schon mindestens 13 Klagen gegen die Haspa und anderen Banken anhängig. Zudem ist zu erwarten, dass der Unterlegene das Urteil nicht akzeptieren und eine höchstrichterliche Entscheidung anstreben wird.

cte/dpa



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