Klammer Autozulieferer Schaeffler sucht vergeblich Investoren

Die hoch verschuldete Schaeffler-Gruppe braucht dringend Geld und sucht einen neuen Investor - bisher ohne Erfolg. Nun buhlt das Unternehmen öffentlich um Staatshilfe. Wirtschaftsminister Glos zeigt sich aufgeschlossen.


Herzogenaurach/Frankfurt am Main - Die in Schwierigkeiten geratene Schaeffler-Gruppe lotet sämtliche Möglichkeiten aus, um an Geld zu kommen. "Da das Vermögen der Gesellschafter in der Schaeffler Gruppe steckt, ist die Familie Schaeffler bereit, sich von einem Teil dieses Vermögens zu trennen und mit dem Erlös die Verschuldung der Schaeffler Gruppe zurückzuführen", teilten Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg am Sonntag in Herzogenaurach mit.

Elisabeth Schaeffler: "Unternehmen ist im Kern gesund"
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Elisabeth Schaeffler: "Unternehmen ist im Kern gesund"

Aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und der belastenden öffentlichen Diskussion sei es bisher trotz einer aktiven Suche nicht gelungen, Investoren zu finden, hieß es. Das fränkische Familienunternehmen hatte sich mit der Übernahme des hannoverschen Konkurrenten Continental verhoben.

Zuletzt hatte das Unternehmen eingeräumt, es suche einen Investor für das gemeinsame Autozulieferungsgeschäft von Schaeffler und Conti, eine Beteiligung von Geldgebern an der Familienfirma sei dagegen nicht geplant. Ein Schaeffler-Sprecher wollte sich am Sonntag nicht weiter äußern.

Gleichzeitig warben die Schaeffler-Gesellschafter in einem Brief öffentlich um Staatshilfe. "Es geht bei unseren Gesprächen mit der Politik um eine zeitlich begrenzte Überbrückung in einer besonderen Ausnahmesituation für ein Unternehmen, das im Kern gesund ist." Nach einem Ende der Wirtschaftskrise werde es gelingen, einen Investor zu finden, war darin zu lesen. "Selbstverständlich halten wir nicht einfach nur die Hand auf."

Die Schaeffler-Gruppe demnach erstmals zu, dass sie auch bereit wäre, das Familienunternehmen für fremde Investoren zu öffnen. Bisher war öffentlich lediglich die Rede von Gesprächen mit Investoren über einen Einstieg bei Continental.

Für eine schnelle und tragfähige Lösung wünschten sie sich eine Versachlichung der öffentlichen Diskussion, erklärten Mutter und Sohn Schaeffler und betonten, die Familie habe "ihre Gewinne immer konsequent in das Unternehmen reinvestiert und nicht für private Zwecke entnommen oder ausgegeben". Sie seien auch keine "Hazardeure, die sich verspekuliert oder verzockt haben". Aber der Zusammenbruch der Wirtschaft sei in dieser Form nicht vorhersehbar gewesen. Gleichwohl sei die Verbindung der Autozulieferer Schaeffler und Continental weiterhin richtig.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hielt in einem Brief an die Betriebsräte des Autozulieferers Schaeffler die Möglichkeiten von Staatshilfen erneut offen.In einem Antwortbrief auf ein Hilfeersuchen von Betriebsräten, der der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorlag, schrieb Glos mit Blick auf die Lage des Konzerns: "Ich teile Ihre Sorgen". Schaeffler sei "von besonderer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland", und zwar nicht nur als Automobilzulieferer, sondern auch als Innovationstreiber für Teile der Investitionsgüterindustrie.

Die Bitte um Staatshilfe verhallte bislang jedoch ungehört: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor einer Woche mitgeteilt: "Wir werden nicht die Zeche für riskante Unternehmensentscheidungen zahlen."

cvk/dpa/Reuters/dpa-AFX



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