Milliardenschweres Kreditprogramm Geywitz plant neues Programm zur Eigentumsförderung für Familien

Vor Monaten wollte Bauministerin Geywitz den Bau neuer Einfamilienhäuser noch eindämmen. Jetzt rückt sie von ihrer bisherigen Linie ab.
Neubauten in der Region Hannover

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Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) will Familien mit kleinen und mittleren Einkommen stärker beim Erwerb von Wohneigentum fördern. Ein milliardenschweres Kreditprogramm soll dafür aufgelegt werden. Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf einen Bericht des Bundesbauministeriums berichteten, soll sich ein neuer Fördertopf an Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind und einem maximal zu versteuerndem Jahreseinkommen in Höhe von 60.000 Euro richten. Für jedes weitere Kind werden 10.000 Euro auf das Jahreseinkommen angerechnet.

Diese Familien sollen dem Bericht zufolge einen zinsverbilligten Kredit der staatlichen Förderbank KfW erhalten, die den Einsatz von Eigenkapital ersetzen soll. Insgesamt 350 Millionen Euro sollen demnach jährlich für die Familien zur Verfügung stehen.

Weitere 650 Millionen Euro sind demnach für alle anderen Antragssteller gedacht. Neben beispielsweise Wohnungskonzernen oder Genossenschaften, die die Gelder für den Mehrgeschossbau abrufen können, soll dieser Topf demnach auch Selbstnutzern zur Verfügung stehen, also beispielsweise Familien mit einem höheren Einkommen als 60.000 Euro oder Einzelpersonen. Zudem sollen auch Kommunen oder Unternehmen Gelder abrufen können, wenn es um den Bau von beispielsweise Kitas, Schulen, Sporthallen oder Bürogebäuden geht.

Insgesamt addiert sich die Förderung dem Bericht zufolge damit auf eine Milliarde Euro jährlich.

Mit dem Vorhaben wendet sich Geywitz von ihrer früheren Linie ab. Noch im April hatte sie erklärt, der Neubau von Einfamilienhäusern sei ökonomisch und ökologisch unsinnig, sie wolle ihn eindämmen und stattdessen Anreize für die Sanierung alter Gebäude setzen.

Das Thema bezahlbarer Wohnraum hat derzeit Konjunktur angesichts der rapiden Preissteigerungen und höheren Zinsen. Das Bundeskabinett berät am heutigen Mittwoch über die geplante Wohngeldreform, die Haushalte mit wenig Einkommen angesichts der hohen Inflation entlasten soll. Dem Entwurf von Bauministerin Geywitz zufolge soll die staatliche Hilfe ab Januar um durchschnittlich 190 Euro pro Monat steigen. Im Schnitt sollen Wohngeldhaushalte dann monatlich rund 370 Euro bekommen. Außerdem wird der Kreis der Berechtigten deutlich ausgeweitet: Zu den bisher 600.000 Haushalten sollen bis zu 1,4 Millionen weitere dazukommen.

Das Geld für das nun geplante Förderprogramm soll aus dem Klima- und Transformationsfonds zur Verfügung gestellt werden. Beginnen solle die Förderung ab April 2023. Gefördert werden sollten ausschließlich neue Gebäude, die über dem Energieeffizienzhausstandard 55 liegen.

»Familien mit kleinen und mittleren Einkommen haben es angesichts des angespannten Wohnungsmarktes und der Preissteigerungen beim Baumaterial besonders schwer, bezahlbaren Wohnraum für sich zu schaffen«, sagte Geywitz den Funke-Zeitungen. »Daher haben wir sie mit unserer neuen Förderung bewusst in den Fokus genommen.« So könnten Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder in der eigenen Immobilie aufwachsen.

Zugleich sei die Förderung besser als das Baukindergeld, sagte Geywitz. Der Förderzeitraum für das Baukindergeld, das die Regierung aus Union und SPD 2018 eingeführt hatte, war 2021 abgelaufen.

kig/afp
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