Weltwirtschaftsforum in Davos Was ist bei der Globalisierung schiefgelaufen, Herr Schwab?

Klaus Schwab ist Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, zu dem auch dieses Jahr wieder Hunderte Spitzenmanager und Regierungsvertreter anreisen werden. Im Interview spricht er über seine Erwartungen.
Foto: Anoush Abrar/ 13Photo/ DER SPIEGEL

Klaus Schwab, 80, wurde in Ravensburg geboren, studierte Wirtschaftswissenschaften und Maschinenbau und lehrte später als Professor an der Universität Genf. Dort hat auch das Weltwirtschaftsforum (WEF) seinen Sitz, das er seit 1971 führt. Dazu gehören neben dem Jahrestreffen in Davos mittlerweile zahlreiche Regionalkonferenzen und Initiativen.

SPIEGEL: Herr Schwab, vor 20 Jahren haben Sie dem "Forbes"-Magazin gesagt: "Der souveräne Staat ist überflüssig geworden." Glauben Sie das heute immer noch?

Klaus Schwab: Nein, das würde ich heute nicht mehr so sagen. Ich glaube, wir brauchen drei Identitäten: eine globale, eine nationale und eine lokale.

SPIEGEL: Was meinen Sie damit konkret?

Schwab: Gewisse Probleme können wir nur in einem globalen Rahmen lösen: Umwelt, Terrorismus oder Cybersicherheit. Politik wird auf vielen Feldern jedoch weiterhin national gestaltet. Und wir brauchen eine lokale Verwurzelung, diese Dimension ist heute wichtiger denn je.

SPIEGEL: Wir vermissen die europäische Identität ...

Schwab: Stimmt! Für Europäer brauchen wir also vier Identitäten. Wichtig ist, dass es nicht um das Ausspielen der einen gegen die andere Identität geht. Wir haben einfach Probleme, die auf verschiedenen Ebenen gelöst werden müssen.

SPIEGEL: Wir haben den Eindruck, dass die meisten Menschen derzeit vor allem ihre lokale Identität im Blick haben – und damit auch lokale Interessen.

Schwab: Das liegt an zwei großen Veränderungsprozessen: Wir erleben gerade die vierte industrielle Revolution, also die Digitalisierung aller Bereiche bis hin zu gesellschaftlichen und politischen Prozessen. Gleichzeitig geht das unipolare System, das vor allem auf der westlichen, liberalen Ordnung beruhte, in ein System über, das multipolar ist und verschiedene Gesellschaftsvorstellungen umfasst. Beide Veränderungen passieren ungeheuer schnell, weshalb viele Menschen das Vertrauen in die Zukunft verloren haben. Sie sind verunsichert, und aus diesem Gefühl heraus entwickeln sie eine Bunkermentalität: Wichtig ist nur noch, was vor der eigenen Haustür passiert. Das spiegelt sich auch in der Politik wider.

SPIEGEL: Das wäre vielleicht anders, wenn alle das Gefühl hätten, von dem Wandel der letzten 20 Jahre profitiert zu haben. Ist bei der Globalisierung etwas schiefgelaufen?

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