Kleines deutsches Wirtschaftswunder 39 Millionen Erwerbstätige - und 2007 kommen Zehntausende Jobs dazu

Gute Nachrichten zum Jahresanfang: Die Zahl der Erwerbstätigen ist 2006 so stark gestiegen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Über 39 Millionen Menschen in Deutschland hatten einen Job. In diesem Jahr sollen laut einer Umfrage 83.000 neue Arbeitsplätze entstehen.


Hamburg - Die Zahl der Erwerbstätigen hat sich im vergangenen Jahr aufgrund der konjunkturellen Belebung und der Fußball-Weltmeisterschaft gegenüber 2005 deutlich erhöht. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stieg sie um 0,7 Prozent auf durchschnittlich auf fast 39,1 Millionen. Im Jahr 2005 sei die Zahl gegenüber 2004 noch um 0,1 Prozent zurückgegangen. Damit habe die Zahl der Erwerbstätigen 2006 wieder in etwa das Niveau von 2002 erreicht. Zugleich sei der Anstieg um 0,7 Prozent die stärkste Beschäftigungszunahme seit 2000.

Bauarbeiter im Hafen von Bremen: Der seit 1996 anhaltende Personalabbau ist fast zum Stillstand gekommen
AP

Bauarbeiter im Hafen von Bremen: Der seit 1996 anhaltende Personalabbau ist fast zum Stillstand gekommen

Nach Wirtschaftsbereichen entwickelte sich die Erwerbstätigkeit im vergangenen Jahr den Angaben zufolge unterschiedlich. Während die Dienstleistungsbereiche eine Zunahme verzeichnet hätten, sei die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe zurückgegangen. Im Baugewerbe sei der seit 1996 anhaltende Personalabbau fast zum Stillstand gekommen. In der Land- und Forstwirtschaft seien 2006 genau so viele Personen erwerbstätig gewesen wie im Jahr zuvor.

Nach einer Umfrage der "Bild"-Zeitung in den 14 wichtigsten Branchen werden deutsche Unternehmen unterm Strich mehrere Zehntausend neue Arbeitsplätze schaffen. Zu den Branchen mit den meisten neuen Stellen zählt voraussichtlich das Gesundheitswesen. Hier sollen nach Expertenmeinung 25.000 bis 50.000 neue Arbeitsplätze entstehen, und zwar vor allem in Krankenhäusern sowie im Pflege- und Wellness-Bereich.

50.000 neue Jobs am Bau

Die Transport- und Logistikbranche sieht dem Blatt zufolge einen kräftigen Stellenzuwachs in Höhe von 39.000 Arbeitsplätzen. Die Zeitarbeitsbranche geht von einem Plus von 25.000 Stellen aus. Dagegen rechnen im Handwerk und im Einzelhandel Branchenvertreter auch im kommenden Jahr mit einem Rückgang der Arbeitsplatzzahlen. Per Saldo ergeben die Zahlen von "Bild" bei vorsichtiger Schätzung einen Zuwachs von 83 000 Jobs.

In der Bauwirtschaft könnten nach Einschätzung des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen weitere 50.000 Stellen entstehen, wenn das Verbot der Zeitarbeit aufgehoben würde. Der Bundesvorsitzende des Verbands, Volker Homburg, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", über die Aufhebung des Verbots gebe es schon Gespräche zwischen den Sozialpartnern, aber die Politik könnte dies noch unterstützen. Ein Verbot wie in Deutschland gebe es in keinem anderen europäischen Land.

Die IG Metall distanzierte sich derweil von den DGB-Tarifverträgen zur Zeitarbeit aus dem Jahr 2003. Der Chef des mitgliederstärksten IG-Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel, sagte der "Berliner Zeitung", damals seien die Gewerkschaften davon ausgegangen, dass die ehemalige Schmuddelbranche mit einem Tarifvertrag eine bessere, geordnete Entwicklung nehmen würde. "Das hat sich als Fehleinschätzung erwiesen. Trotz Tarif bringt die Zeitarbeit Lohnkonkurrenz in die Betriebe", sagte er.

Viele Unternehmen holten heute längst nicht mehr nur Zeitarbeiter in die Betriebe, um Auftragsspitzen abzubauen oder kurzfristige Personalengpässe auszugleichen, sagte Wetzel. "Billige Zeitarbeiter ersetzen seit etwa zwei Jahren immer häufiger Stammkräfte und verdrängen sie sogar", sagte er. Bei BMW in Leipzig sei bereits ein Drittel der Beschäftigten Zeitarbeiter. Die IG Metall müsse durchsetzen, das in den Betrieben gleiche Arbeit auch gleich bezahlt wird.

tim/ddp/dpa/Reuters



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