Klimaschutz Unternehmen bilden Unterstützerclub für Merkel

Einige führende Unternehmen Deutschlands starten eine Klimaschutz-Initiative für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Großkonzerne - von Atomstromproduzenten bis zu Zapfsäulenbetreibern - werden sich an den eigenen Taten messen lassen müssen.

Hamburg - Das Papier hat es in sich. Auf drei Seiten dokumentiert eine Initiative "2 Grad - Deutsche Unternehmer für Klimaschutz" wie Deutschland eine Schlüsselrolle in der internationalen Umweltpolitik übernehmen kann. Gefordert wird unter anderem eine "drastische Verminderung" der Treibhausgase, "Energieeffizienz-Techniken" und eine "kraftvolle Technologiepolitik". Die "internationalen geschäftlichen Beziehungen" sollen genutzt werden, um die Klimaabkommen nach Kyoto voranzubringen. Der Anstieg des Erdklimas auf zwei Grad zu begrenzen ist Ziel der Übung.

Das Grundsatzpapier ist jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben worden, mit der Zusicherung, die Bundesregierung aktiv bei der Entwicklung und Implementierung einer global ausgerichteten, effektiven und marktwirtschaftlich orientierten Klimapolitik zu unterstützen.

Die Initiative kommt - zumindest bei einigen der Unterzeichnern - überraschend. Für das Energieunternehmen EnBW, das unter der Marke "Yellow Strom" Nuklearenergie verkauft und für eine Laufzeitenverlängerung der Meiler plädiert, unterstützt Vorstand Utz Classen die Unternehmerinitiative. Für den schwedischen Energiekonzern Vattenfall, der neue CO2-emittierende Braunkohlekraftwerke bauen will, zeichnet Vorstand Klaus Rauscher, für die Deutsche Bahn, die immer weitere Verluste im umweltfreundlichen Güterverkehr verbuchen muss, ist es Vorstand Hartmut Mehdorn.

Auto- und Luftfahrt-Industrie bleiben außen vor

Mit von der Partie ist auch René Obermann von der Deutschen Telekom, Uwe Franke, Vorstandsmitglied des Mineralölkonzerns Deutsche BP, der Vorstand der Asset Management Worldwide Allianz, Joachim Faber, sowie der Verlagschef Hubert Burda, Präsident des Verbandes der Deutschen Zeitschriftenverleger. Burda zeige, so die Initiatoren, ein besonderes Engagement für die globalen Zusammenhänge des Klimawandels.

Einen Korb hatte die Initiative zuvor von Vertretern der deutschen Luftfahrtunternehmen bekommen, die als Klimasünder zunehmend unter Druck geraten. Auch die Autoindustrie ist nicht vertreten. Andere angefragte Großunternehmen engagieren sich lieber beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der nach Insidermeinung das Thema Klimawandel aber verschlafen hat. Und der Chef des Hamburger Windenergie-Anlagenbauers Repower, Fritz Vahrenholt, Mitglied im Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung, verließ die illustre Runde im Streit. Seine Position, die Laufzeit der Atomkraftwerke zu verlängern, sei nicht ausreichend in dem Grundsatzpapier gewürdigt worden.

Initiator Michael Otto, der schon langjährig im Stiftungsrat des Umweltverband WWF wirkt und über die Michael-Otto-Umweltstiftung diverse Öko-Projekte angestoßen hat, ist dennoch zuversichtlich, dass die Initiative einen "wichtigen Anstoß" für die zukünftige Umweltpolitik in Deutschland geben wird. "Wenn wir es nicht machen", fragt Otto, "wer dann?".

Und das hat auch noch einen verständlichen Grund. "Der Abbau von regulatorischen Investitionshemmnissen für Klimaschutzmaßnahmen wird kurzfristig die Schaffung neuer Geschäftsfelder für Unternehmen ermöglichen."

Mehr lesen über