Klimaschutz Vattenfall nimmt CO2-freies Kohlekraftwerk in Betrieb

Weltpremiere in der Lausitz: Der Energiekonzern Vattenfall hat heute das erste CO2-freie Kohlekraftwerk in Betrieb genommen. Die Testanlage erzeugt Wärme aus Braunkohle, ohne das Klimagas Kohlendioxid auszustoßen. Umweltschützer haben aber Bedenken.

Jänschwalde - "Wir wollen die Braunkohle künftig klimafreundlich verstromen", sagte Vattenfall-Chef Klaus Rauscher bei der feierlichen Zeremonie in Jänschwalde in der Lausitz. In etwa zehn Jahren solle die CO2-freie Technik Serienreife erlangen. Auch andere Kraftwerke des Konzerns könnten dann nachgerüstet werden.

Vattenfall   setzt auf die so genannte Oxyfuel-Technologie. Dabei wird das beim Verbrennen der Braunkohle anfallende CO2 aus der Abluft abgetrennt. Ziel ist es, CO2 mit einer Reinheit von 98 Prozent zu erhalten. Das Klimagas kann dann unter hohem Druck verflüssigt, zu einer Lagerstätte transportiert und unterirdisch gespeichert werden. Das klimaschädliche Gas würde so nicht in die Atmosphäre gelangen.

Allerdings gibt es noch große Hürden zu überwinden. So hat Vattenfall noch keinen geeigneten Standort gefunden, um das CO2 sicher zu lagern. Umweltschützer kritisieren, dass es eine solche Lagerstätte möglicherweise gar nicht gibt. Würde das Gas wieder austreten - und sei es erst in hunderten Jahren -, wäre der ganze Aufwand umsonst. Greenpeace fordert deshalb, das für die neue Technologie nötige Geld lieber in erneuerbare Energien wie Sonne und Wind zu stecken.

Vattenfall baut seine Anlage für etwa 70 Millionen Euro. Sie soll 30 Megawatt Wärme erzeugen. An eine Umwandlung der Wärme in Strom ist zunächst nicht gedacht. Mit herkömmlichen Kraftwerken kann die Pilotanlage aber noch nicht mithalten: Ein normales Braunkohlekraftwerk kommt auf eine Stromleistung von rund 1000 Megawatt. Auch im Vergleich zu den Gesamtinvestitionen des Konzerns sind die Ausgaben für die CO2-freie Technik eher gering; im Jahr 2005 investierte Vattenfall insgesamt gut eine halbe Milliarde Euro.

Technologie im Anfangsstadium

Nach Ansicht von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) gehört der heimischen Braunkohle die Zukunft. "Ich bin überzeugt, dass sie mit einer innovativen Technologie langfristig eine Akzeptanz erreicht", sagte er.

Kritik kommt dagegen von den Grünen. "Wer behauptet, die CO2-Abscheidung eröffne einen sicheren Ausweg aus der Klimafalle, betreibt Augenwischerei", sagte der Landesvorsitzende Axel Vogel. Die Technologie befinde sich im Anfangsstadium. Die Umweltstiftung WWF hatte erst am Mittwoch die drei Lausitzer Braunkohlekraftwerke von Vattenfall unter die zehn klimaschädlichsten Energieanlagen in Deutschland eingruppiert.

Vattenfall will nach Rauschers Worten als nächstes zwischen 2012 und 2015 eine großtechnische Demonstrationsanlage von 300 Megawatt Leistung bauen und ab 2020 das erste wirtschaftlich tragfähige CO2- freie Kraftwerk betreiben. An ähnlichen Projekten forscht auch Vattenfall-Konkurrent RWE.

wal/ddp/dpa

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