Know-how-Klau EADS-Chef verteidigt China-Produktion

Wegen des geplanten China-Engagements ist Airbus in die Kritik geraten. Experten warnen vor unkontrolliertem Technologietransfer. Thomas Enders, Chef der Konzernmutter EADS, verteidigte nun den geplanten Aufbau einer Produktionslinie in der Volksrepublik.


Frankfurt am Main - "Wir müssen uns auf die großen Wachstumsmärkte konzentrieren, das sind China, Indien, Südkorea, Russland und Amerika", sagte Enders der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Außerdem werde in der Diskussion in Europa übersehen, dass die reine Fertigung gerade einmal vier bis fünf Prozent der Wertschöpfung von EADS ausmache.

Airbus A320: "Auf große Wachstumsmärkte konzentrieren"
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Airbus A320: "Auf große Wachstumsmärkte konzentrieren"

EADS Chart zeigen hatte Anfang Dezember 2005 den Verkauf von 150 Flugzeugen der Typen A319, A320 und A321 an China bekannt gegeben. Gleichzeitig hatte der Konzern erklärt, bis Mitte 2006 den Bau eines Montagewerks für diese Flugzeugtypen in der Volksrepublik zu prüfen. Experten hatten die Pläne kritisiert. Christian Harbulot, Direktor der Pariser Ecole de Guerre Économique, warf dem Airbus-Mutterkonzern vor, "über den Tisch gezogen worden" zu sein. EADS mache zwar anfangs gute Geschäfte, laufe aber Gefahr, dass China in einigen Jahren "die gleichen Flugzeuge baut und keine Airbusse mehr kauft".

Die Debatte hatte zuletzt wieder an Fahrt gewonnen, nachdem China Ende vergangener Woche ankündigte, eine eigene Magnetschwebebahn bauen zu wollen. Beobachter mutmaßen, dass sich die Entwickler dabei von dem deutschen Transrapid inspirieren ließen.

Enders rechnet indes nicht nur in China mit einem Technologietransfer. Auch Indien werde voraussichtlich einen Anteil in der Forschung, Entwicklung und in der Fertigung verlangen, "gerade wenn die Aufträge weiter so explodieren wie derzeit", sagte der EADS-Chef. In Indien liege das Volumen des Zivilmarktes bis 2015 bei 30 Milliarden Euro, ergänzte er.

Derzeit erwirtschafte EADS rund 70 Prozent seiner Umsätze in Europa. Weitere 25 Prozent kommen aus Amerika und fünf Prozent aus der asiatisch-pazifischen Region. In zehn Jahren sollten es etwa 50 Prozent in Europa und jeweils 25 Prozent in Amerika und Asien sein, sagte Enders.

suc/dpa-AFX



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