Kommentar Gescheiterter Größenwahn

War da was? Binnen eines Monats haben die Deutsche Bank und die Dresdner Bank ihre groß angekündigte Fusion mit einem Knall gegen die Wand gefahren - und ihr Image gleich miterledigt. Der gescheiterte Zusammenschluss ist ein Lehrstück in Sachen Selbstüberschätzung, Größenwahn und Missmanagement.

Von Rüdiger Ditz


Das Bild ist noch gut in Erinnerung: Da sitzen die beiden Top-Banker Rolf Breuer und Bernhard Walter vor fast genau einem Monat einträchtig beieinander und offenbaren der erstaunten Wirtschaftswelt ihre großen Pläne. Global Player wolle man werden, den etablierten US-Investmentbanken Paroli bieten. Vermögenden Privatkunden eine exklusive Heimstatt schaffen, ohne die Kleinsparer zu vergraulen. Zugleich das Direktbankgeschäft mit geballter Marktmacht vorantreiben. Und nun bleibt alles beim Alten.

Der große Plan scheiterte an kleinkarierten Eifersüchteleien, Missmanagement und schlechter Vorbereitung der seriösen Nadelstreifenträger. Kaum war das Vorhaben bekannt gegeben, begann das Geschacher um Posten und Einflüsse. Die angekündigte Fusion unter Gleichen, so gestand Breuer jetzt, war aus seiner Sicht nie geplant. Das "Juwel" (Breuer) Dresdner Kleinwort Benson, die Investmentsparte der Dresdner, sollte entgegen ersten Aussagen doch verkauft werden. Das Kleinkundengeschäft, das in der Bank 24 gebündelt werden sollte, sorgte rasch für Missstimmung bei verärgerten Kunden und den zuständigen Vorständen beider Geldhäuser.

Die Pleite war absehbar. Nach der ersten Euphorie brachen die Kurse beider Banken massiv ein. Bis zu 30 Prozent gaben die Titel nach. Die Anleger trauten den blumigen Versprechen aus den Frankfurter Hochhäusern nicht - zu Recht, wie sich jetzt herausstellt.

Was bleibt, ist ein unternehmerisches Desaster für beide Banken, auch wenn die Börse den Abbruch mit steigenden Kursen honorierte. Das Image der Geldhäuser ist arg zerfleddert, ihre Marktpositionen unverändert, die Zukunftsstrategien müssen neu formuliert werden. Immerhin muss man der Dresdner Bank eines zugute halten: Sie hat erkannt, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.