Kommentar Gesundbeten hilft nicht

Von Carsten Matthäus


Während Politiker und Notenbanker beharrlich so tun, als würde nichts passieren, "testet" der Markt ein Allzeittief des Euro nach dem anderen. Doch das blasierte "Alles wird wieder gut" der hohen Herren hilft nicht weiter. Es schadet sogar dem Euro-Kurs und dem Ansehen der europäischen Wirtschaft, wenn Politiker sich weigern, der Euro-Schwäche aktiv den Kampf anzusagen. Deregulierung, Abbau der Staatsschulden und Reformen der Sozialsysteme stehen schon lange auf der Agenda, aber es geht nicht vorwärts.

Es ist geradezu peinlich, wenn dann ausgerechnet Bundesfinanzminister Eichel oberlehrerhaft verlangt, die Europäische Zentralbank solle ihre Hausaufgaben machen. Er ist mit seinen europäischen Kollegen dafür verantwortlich, dass der Euro auf dem Devisenmarkt attraktiv ist.

Der Euro sollte als riesige Aktie angesehen werden. Wer die Gemeinschaftswährung kaufen soll, muss dafür gute Gründe präsentiert bekommen. Man stelle sich ein Unternehmen vor, das sich zu fein ist, bei Kursstürzen über Gegenmaßnahmen zu informieren. Es würde einfach vom Markt gefegt. Da reicht es nicht, wenn Bundesbankpräsident Ernst Welteke sagt, dass er einen Fall unter die Marke von 90 US-Cent einfach nicht für möglich hält. Er wird sich noch wundern.

Die Wirtschaftspolitiker in Europa sollten endlich erkennen, dass sie in einem harten Wettbewerb stehen. Der Marktführer ist und bleibt momentan die USA. Bei innovativen Unternehmen und Hightech-Spezialisten ist Amerika nicht umsonst die erste Wahl. Europa doktert derweil an seinen Reformen herum und seine Politiker verteilen lieber Hausaufgaben.



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