Kommentar Katerstimmung im Lager der Verlierer

Von Rüdiger Ditz


So etwas nennt man in der Branche wohl eine Vollbremsung. Nach der überraschend gescheiterten Übernahme von Rover durch die britische Alchemy-Gruppe steht BMW wieder am Anfang mit seiner ungeliebten Tochter. Was bleibt, ist großer Katzenjammer.

Der geplatzte Deal hinterlässt zunächst nur Verlierer: Die tausenden von Rover-Beschäftigten, die nach anfänglicher Freude über das Scheitern nun erkennen müssen, dass es für sie noch schlimmer kommen kann als unter der Fuchtel von Alchemy. Nämlich dann, wenn BMW den ganzen Laden einfach dicht macht.

Die Aktionäre des Münchner Konzerns, die in den vergangenen Wochen gehofft hatten, sie würden nun endlich den lästigen Klotz am Bein loswerden.

Die Hauptaktionäre der Quandt-Familie, die vor rund einem Jahr den damaligen BMW-Chef Bernd Pischetsrieder und seinen charismatischen Nachfolgers in spe, Wolfgang Reitzle, geschasst hatten. Mit neuer Konzernführung wollte die Familie das leidige Thema Rover ad acta legen.

BMW-Chef Joachim Milberg, der mit seinen Verkaufsplänen für die Tochter gescheitert ist.

Aber auch die britische Regierung, die im Kampf um die Arbeitsplätze im Rover-Werk bei Birmingham und der gesamten Umgebung mehr denn je den Kahlschlag fürchten muss.

Sie alle haben die Chance verspielt, eine vernünftiges und soziales Übernahmekonzept für den BMW-Ableger zu finden. Ob das Phoenix-Konsortium von Ex-Rover-Chef John Towers der richtige Kandidat für die Übernahme ist, scheint zumindest nach den bisherigen Äußerungen der Münchner eher fraglich zu sein. Offenbar hält die BMW-Spitze das Angebot der Gruppe nach gegenwärtigem Stand für inakzeptabel.

Die Zeit läuft den Beteiligten weg, der Druck, eine Lösung zu finden, wird immer höher - wahrlich keine rosigen Aussichten für die Rover-Belegschaft und die BMW-Eigner.



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