Kommentar Milliardenschwere Hypothek

Auktion hin oder her. Das hätten die Mobilfunkunternehmen auch billiger haben können. Über das späte Ergebnis, die zwölf neuen UMTS-Lizenzen durch sechs Bewerber zu teilen, kann sich nur einer freuen: Bundesfinanzminister Hans Eichel.

Von Rüdiger Ditz


Gut 16 Milliarden Mark muss jeder der Bieter berappen, um zunächst einmal überhaupt im Markt für den superschnellen UMTS-Mobilfunk dabei zu sein. Ob es ein großes Geschäft wird, ist nach der Versteigerungssumme von knapp 100 Milliarden Mark fraglich.

Man bedenke: Beim Stand von 63 Milliarden war der siebte Bewerber, debitel, ausgestiegen. Insofern waren die letzten 35 Milliarden, die die sechs Anbieter geboten haben, ein einziger Poker ums Profil. Wie anders lässt sich sonst das Statement der Telekom nach der Auktion deuten, auch mit zwei Frequenzblöcken könne man einen hochwertigen Dienst für die UMTS-Kunden anbieten.

Ebenso entlarvend ist das Zugeständnis des Bonner Konzerns, dass man dem wirtschaftlichen Wahnsinn ein Ende bereiten wollte, indem nicht mehr für eine dritte Frequenz geboten wurde. Die Finanzexperten haben jedenfalls schon im Vorwege die beteiligten Unternehmen abgestraft. Deren Börsenkurse sinken, von den Analysten droht Herabstufung.

Dabei liegt der Webfehler im System. Mit der Auktion hat sich der Bund zwar die Kasse prall gefüllt. Doch er hat den UMTS-Unternehmen, den Anwendern und auch der Technologie selbst eine schwere Hypothek aufgeladen. Denn noch weiß keiner, wie und wann die Firmen die Ersteigerungskosten, geschweige denn die technische Aufrüstung, wieder hereinholen sollen.

Ob dem künftigen UMTS-Kunden sein Internet-Handy so lieb und teuer ist, dass er hohe Kosten dafür in Kauf nimmt, steht in den Sternen. Zumindest wird sich die Einführung als Massenprodukt durch die hohen Kosten verzögern. Dabei hatte Europa mit UMTS zum ersten Mal seit dem Siegeszug des Computers bei einer innovativen Technologie im Vergleich zu den USA die Nase vorn. Diesen Vorsprung haben der Bund und die Mobilfunkunternehmen durch die 98,8-Milliarden-Mark-Auktion vielleicht schon wieder verspielt.



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