Kommentar Rot-grüner Nonsens

Von Carsten Matthäus


Wie schön, wenn Politiker den Nutzen des Volkes mehren und Schaden von ihm abwenden wollen. Werner Schulz (Grüne) und Joachim Poß (SPD) bemühten sich redlich: Der eine - ganz Volksaktien-Tribun - brandmarkt den Ausverkauf der Telekom-Aktie als "Schlag ins Gesicht der Kleinaktionäre". Der andere fordert gleich Gesetze, um das Volk der armen, geprügelten T-Aktionäre vor dem Spiel der Großbanken zu schützen.

Was für ein Unfug. Jeder Aktionär - ob groß, ob klein - kann seine Aktien auf einem Markt anbieten, und das ist gut so. Finden sich dann Käufer, entsteht ein Kurs. Wirft eine Großbank sehr viele Aktien auf den Markt, dann kann das den Kurs drücken. Wäre die T-Aktie ein heiß begehrtes Papier, so könnten sich kleine und große Anleger nun freuen, das Papier zu Schnäppchenpreisen kaufen zu können. Keiner würde von Schlägen ins Gesicht sprechen.

Leider ist aber das Gegenteil der Fall. Das Kaufinteresse an der T-Aktie ist bereits dürftig, und eine Verkaufswelle durch die ehemaligen VoiceStream-Aktionäre steht an. Passiert kein Wunder, wird der Kurs der Volksaktie wohl weiter in die Knie gehen, daran ändern weder die Deutsche Bank noch Politiker etwas.

Den Eindruck zu erwecken, man könnte als Politiker etwas für gebeutelte Kleinanleger tun, denen die Kurse wegbrechen, ist das völlig falsche Signal. Jedem, der eine Aktie kauft, muss klar sein: Er geht das Risiko ein, sein Geld zu verlieren. Da ist die T-Aktie kein bisschen anders als jedes andere Wertpapier. Poß und Schulz täten mehr für die Aktienkultur, wenn sie einfach schwiegen.

Natürlich müsste die Deutsche Bank belangt werden, sollte sie bestehende Börsenregeln missachtet haben. Auch eine Untersuchung, warum die Analysten des Hauses die T-Aktie gerade einen Tag vor dem Großverkauf erneut empfahlen, scheint angebracht. Aber ein Aktienpaket im Auftrag zu verkaufen, das ist keine Straftat, das ist völlig normal.



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